Paarungsfest

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Paarungsfest

Paarungsfest

Peter Hu

„Sie wollen uns fressen“, ...beteiligte sich jetzt auch Ali ängstlich klagend an Sabins Befürchtungen.

„Ja, ums Essen geht es in der Tat“, ...tönte da plötzlich eine lachende Jungmännerstimme aus dem Hintergrund.
„Aber das mit dem Auffressen, muss ich doch als albernes Vorurteil zurück weisen. Nur an hohen Feiertagen essen wir Fleisch. Denn die Jagd ist sehr anstrengend. Aber wir dachten uns, dass sie nach ihrer kargen Fledermausdiät im dunklen Schacht, vielleicht etwas hungrig sind. Folgen sie nur den Frauen. Die Kochkessel sind schon angesetzt. Und Pater Antonio ist ein ausgezeichneter Koch...“
„Pater Antonio?“ ...hakte Orn irritiert nach.

„Ja Pater Antonio. Der ehemalige Franziskaner“, ...bestätigte der junge Häuptling.
„Eigentlich ist er auch gar kein Pater mehr. Er ist schon seit Jahrzehnten zu unserem Glauben „konvertiert“. Dabei kam er eigentlich zu uns, um uns zu bekehren. Aber da sein Vorname für unsere Zungen so sperrig auszusprechen ist, nennen wir ihn weiterhin „Den Pater“.“
„Wir hatten früher auch noch einen anderen Pater hier. Der wollte uns ebenfalls auf den rechten Pfad führen. Aber der ist schon lange tot.“
„Nachdem wir ihn endlich erfolgreich „bekehrt“ hatten, war er so übereifrig bei den Fruchtbarkeitsrieten, dass es sein altes Herz nicht mehr lange mitgemacht hat. Aber er hatte, so glaube ich, den schönsten Tod, den ein Mann sich überhaupt wünschen kann.“

„Wie kommt es eigentlich, dass sie unsere Sprache so gut sprechen?“ ...wollte Sabin verwundert wissen, als sie sich endlich dem Tross der freundlichen Einlader angeschlossen hatten.

„Nun“, ...antwortete der junge Häuptling stolz. „Da mein Vater ein weiser Mann war, der einsah, dass sich unser Volk nicht vollkommen der modernen Zeit verschließen konnte, hat er mich auf eine Schule in der großen Stadt geschickt. Später kam ich dann sogar nach Europa. Dort habe ich Agrarwirtschaft studiert.

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