“ Er nahm sie in den Arm und hielt sie. Nicht klammernd, aber bestimmt. Bald atmeten beide im gleichen Takt und auch, wenn sie es in diesem Moment nicht in Worte fassen konnten, da war ein Gefühl, welches ihnen sagte, dass das, was sie gerade erlebten, perfekt war.
Draußen war der Nachmittag bereits ins Goldene gekippt, als sie seine Wohnung verließen. Die Luft duftete nach Sommerregen und Hitze, die langsam verging. Élodie hatte, nachdem sie eine kleine Ewigkeit in seinen Armen verbracht hatte, ganz still, ganz sicher, ihr Haar wieder hochgesteckt, doch eine Strähne löste sich und streifte über ihre Wange.
Sie spazierten wortlos die Rue Saint‑Dominique hinunter, ihre Schritte fast im Gleichklang. Paris war in diesem Zwielicht leiser geworden; selbst der Verkehr schien gedämpft. Auf den Terrassen saßen Paare, Wein in Gläsern, Zigarettenrauch und Stimmen, die sich überlagerten.
Er blieb vor einem Schaufenster stehen – Taschen, elegant arrangiert. Taschen, die sie nur zu gut kannte, denn ihr Vater hatte sie entworfen. Der Schriftzug spiegelte sich im Glas, überlagert von den Gesichtern beider.
Julien sah sie an, leicht schräg. „Diese kennen Sie vermutlich besser als der Verkäufer.“
Sie lächelte, doch ihr Blick war nachdenklich. „Manchmal habe ich das Gefühl, Sie kennen mich besser als ich Sie.“
Er nickte still, als könne er den Unterton hören. Dann sagte er ruhig: „Ich weiß es übrigens.“
„Was?“
„Wer Sie sind. Nicht sofort, aber ich hatte eine Ahnung. Und irgendwann wusste ich es. Ich wollte Sie trotzdem ansprechen – oder gerade deshalb. Nur nicht auf dem üblichen Weg.“
Sie blieb einen Moment still. Das Licht auf den Scheiben spiegelte ihr Gesicht, das durch seine Worte einen Hauch weicher wurde.
„Ein Trick also?“, fragte sie schließlich, ohne Bitterkeit.
„Ein Versuch, Sie ohne die Kameras zu treffen.“
Sie trat einen Schritt näher, war jetzt so nah, dass sie sein Parfum wieder roch, leicht herb, vertraut. „Und? Haben Sie gefunden, was Sie gesucht haben?“
„Vielleicht“, sagte er. „Aber ich weiß nicht, ob ich es behalten darf.“
Ihr Lächeln war still, fast zärtlich. „Ich habe mich selbst überrascht. Das gelingt mir selten.“
Sie wandten sich vom Schaufenster ab und gingen weiter, an einem kleinen Laden vorbei, in dem einfache weiße Shirts im Fenster lagen, neben Jeans und gefalteten Pullovern.
Élodie blieb stehen. „Wenn Sie mir wirklich etwas kaufen wollen“, sagte sie, „nehmen Sie eines davon. Ein schlichtes, bequemes, weißes T‑Shirt. Ich würde es tragen, wenn wir uns wiedersehen.“
Er sah sie an, als wüsste er, dass sie ihm damit alles versprach, was er sich wünschen könnte. Dann betrat er das Geschäft, griff sicher nach dem Shirt, bezahlte und verließ es wieder. Sie hatte auf ihn gewartet. Als er ihr das Päckchen reichte, hatte es beinahe eine symbolische Komponente. Sie war sich in diesem Moment sicher, dass er sie wiedersehen wollte. Sie, die Frau. Nicht sie, die Tochter des Stars. Welche Gefühle genau dies in ihr auslöste, sie konnte sie nicht wirklich benennen. Zu neu waren all diese Emotionen. Aber sie fühlten sich gut an. Und sie wollte sie wieder fühlen. Oft. Mit ihm.
Sie nahm es, ihre Finger berührten seine. „Dann also bis bald“, sagte sie.
„Bis bald“, wiederholte er.
Als sie sich in entgegengesetzte Richtungen entfernten, blieb Paris still. Das Licht legte sich warm über die Fassaden, und in den Straßen lag dieses Gefühl, dass etwas begonnen hatte, das nicht enden musste.
Paris, wie es atmet
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