Paris, wie es atmet

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Paris, wie es atmet

Paris, wie es atmet

Chloé d'Aubigné

Und sie, sie blieb noch stehen. Immerhin hatte sie Zeit, Zeit, sich dem Schönen hinzugeben.
„Er ist gut, nicht wahr?“
Die Stimme kam von der Seite, ruhig, beinahe selbstverständlich. Sie drehte sich und sah einen Mann von vielleicht Ende dreißig, gut gekleidet, doch nicht wie jemand, der Trends hinterherjagt. Seine Kleidung hatte eine beiläufige Sorgfalt – alles war gleichermaßen auf Qualität und Diskretion aus, nicht darauf, die Marke sichtbar zu machen. Ja, sie konnte nicht anders. Schon seit ihrer Geburt war sie von Mode umgeben, sie beurteilte also erst die Kleidung und dann den Menschen darin.
„Er ist besser, als man auf der Straße erwartet“, antwortete sie, ein wenig irritiert, da sie es nicht gewohnt war, so beiläufig angesprochen zu werden – obwohl sie sich genau dies schon so lange gewünscht hatte.
Er nickte leicht, als nehme er die Unsicherheit zur Kenntnis, ohne sie auszunutzen. „Paris hat diese Art von Überraschungen. Man weiß nie, ob der Mann mit der Geige nicht vielleicht im Orchester der Opéra spielt.“
Sie musste lächeln. „Vielleicht.“
Ein kurzes Schweigen. Der Klang der Geige zwischen ihnen.
„Wollen Sie einen Kaffee trinken?“, fragte er schließlich, ganz so, als wäre es das Naheliegendste auf der Welt. „Gerne auch gleich hier an der Ecke, dann können wir ihm weiterhin zuhören. “
Sie runzelte leicht die Stirn – nicht abweisend, sondern erstaunt, wie einfach und natürlich diese Einladung von ihm kam.
„Warum gerade ich?“
„Weil Sie seine Musik ebenfalls mögen. Und weil Sie so lächeln, als wollten Sie niemandem beweisen, dass Sie glücklich sind.“
Der Satz überraschte sie. Es war keine Flirtphrase, kein Kompliment – eher eine ungewöhnliche Feststellung. Oder zumindest eine Aussage, die sie neugierig machte, die Person hinter dieser kennenzulernen.

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