Paris, wie es atmet

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Paris, wie es atmet

Paris, wie es atmet

Chloé d'Aubigné

Und Sie auch ein Andenken an diesen behalten können.“
„Das klingt, als hätten Sie das schon öfter getan“, sagte sie schließlich, halb lächelnd.
„Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass ich es bei Ihnen tue. Weil Sie mich faszinieren. Ich habe noch niemanden kennengelernt, der einfach so durch Paris spaziert, als gehöre ihr die Stadt. Und als wäre das Spazieren ihre Bestimmung.“
Etwas an seiner Stimme ließ ihre Haut kribbeln.
„Sie führen also öfter Frauen ins Museum?“
„Nein. Ich mag nur solche, die sich nicht führen lassen, sondern aus freien Stücken mit mir gehen. Nebeneinander.“
Sie lachte. Und bevor sie nachdenken konnte, hörte sie sich sagen: „Dann bin ich wohl die Richtige für heute.“
Julien setzte ebenfalls ein Lächeln auf, legte eine Banknote auf den Tisch, die nicht nur das Konsumierte bezahlte, sondern auch ein großzügiges Trinkgeld darstellte, stand auf und wartete, bis sie ebenfalls aufstand. Während sie ihm folgte, nein, neben ihm herging, spürte sie den eigenartigen Nervenkitzel eines Spiels, dessen Regeln sie noch nicht kannte. Aber das sie zumindest kennenlernen wollte.
Das Musée d’Orsay empfing sie mit Licht, das durch die hohen Glasbögen fiel und sich über die Marmorböden legte wie ein warmer Teppich. Élodie trat vor Julien, der ihr natürlich den Vortritt gelassen hatte, durch den Eingang, ließ den Lärm der Straße zurück und atmete die kühle Stille ein. Es roch nach Holz, alten Rahmen und dem feinen Staub vergangener Jahrzehnte. Da es ein Wochentag war und dies außerhalb der Feriensaison, war es überraschend ruhig.
Sie mochte Museen. Sie mochte die Art, wie die Zeit in diesen relativ wurde, wie man zwischen Bildern stand und zugleich außerhalb der Welt. Oft war sie allein hier gewesen – manchmal inkognito, manchmal als „die Tochter“ an offiziellen Empfängen.

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