Paris, wie es atmet

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Paris, wie es atmet

Paris, wie es atmet

Chloé d'Aubigné

Heute fühlte sich dieser Ort anders an, nach Abenteuer, aber auch nach Vertrautheit. Hier fühlte sie sich sicher genug, ihre Sonnenbrille endlich abzunehmen. Wahrscheinlich hätte sie im Museum mit einer aufgesetzten Sonnenbrille auch zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Oder zumindest verwunderte Blicke.
Julien ging neben ihr. Ohne ihr etwas zu erklären, was sie sehr schätzte. Sie kannte die Kunst hier gut genug. Sie brauchte niemanden an ihrer Seite, der sich als Kenner aufspielte. Nur hin und wieder neigte er leicht den Kopf, als wolle er eine andere Perspektive auf das Werk einnehmen.
Vor einem Gemälde von Renoir blieb er stehen, ein Frauengesicht im Halbschatten, rosige Haut, halb geöffnete Lippen. „Ihre Augen sehen aus, als würde sie der Welt etwas vorenthalten“, sagte er.
Élodie betrachtete das Bild. „Oder sie weiß, dass Schweigen sie interessanter macht.“
„Vielleicht beides.“
Ihre Blicke trafen sich im Spiegel der Glasplatte, die das Bild schützte, und für einen langen Moment verharrten sie so in diesem indirekten Blickkontakt, bis ein Besucher vorbeiging und durch seine Reflexion diesen unterbrach.
In einem anderen Flügel, zu Beginn von den impressionistischen Akten, blieb seine Hand fast unmerklich nah an ihrer. Nicht berührend, aber spürbar. Sie fühlte die Wärme, als würde eine Verbindung zwischen ihnen bestehen.
„Ich frage mich manchmal“, sagte sie leise, „ob diese Frauen gewusst haben, wie sehr sie begehrt werden würden. Wie ... museal das wird.“
„Vielleicht wussten sie es“, meinte Julien. „Oder vielleicht wollte der Maler sie nur fassen, bevor sie gehen. Wollte sie für sich behalten. Oder an ihnen einfach nur Geld verdienen.“
Ein kaum merkliches Lächeln zog über ihre Lippen. „Das klingt nicht sehr romantisch.“
„Nein“, antwortete er. „Aber ehrlich.“

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