Sie drehte sich zu ihm, langsam. Da war dieses Gefühl von unaufhaltsamer Nähe – kein Drängen, keine Eroberung, nur ein waches Sehen. Sie spürte, dass er sie ansah, ohne sie zu mustern; als sähe er in ihr genau das, was sie in all den Blicken sonst vermisste: das Interesse an ihr als Person. Und an sonst nichts. Dies war eine Art von Begehren, aber auch von Freiheit, die sie so noch nie gefühlt hatte. Neben Julien war sie einfach eine Frau und keine Tochter.
Ein Aufseher kam vorbei, nickte höflich, das Licht über den Rahmen flirrte.
„Ich bin froh, dass Sie mitgekommen sind“, sagte Julien dann, als sie weitergingen.
„Ich bislang auch“, erwiderte sie mit einem leichten, spielerischen Klang. „Und vielleicht werde ich später noch froher sein.“
Er lächelte. „Ich hoffe darauf.“
Sie fühlte, wie diese Worte in ihr nachklangen – sie waren nicht drängend, sondern sanft. Und in dieser Sanftheit verheißungsvoll.
Julien wohnte im siebten Arrondissement, in einer Wohnung mit hohen Decken, alten Parkettböden und Fenstern, die auf einen Innenhof blickten, der nach Jasmin und Regen roch. Er schloss die Tür hinter ihr, ohne das Licht sofort einzuschalten; nur der Dämmerstreifen aus dem Fenster zeichnete schwache Linien über den Boden.
Élodie blieb stehen, die Tasche in der Hand, und nahm das gedämpfte Schweigen in sich auf. Kein Geräusch von Straßen, kein Gespräch, das man weiterführen musste. Nur die langsame, fast fühlbare Gegenwart des anderen.
Er ging an ihr vorbei, stellte ihre Jacke auf eine Lehne, öffnete den Kühlschrank und griff nach einer Flasche Wein. „Weiß?“, fragte er.
„Gerne.“ Sie beobachtete die Bewegung seiner Hand, das ruhige Eingießen, den dunklen Glanz des Glases im schwindenden Licht. Kein Versuch, eine Stimmung zu erzeugen – sie war einfach da.
Sie sprach kaum noch.
Paris, wie es atmet
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