Paris, wie es atmet

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Paris, wie es atmet

Paris, wie es atmet

Chloé d'Aubigné

Doch das war nicht nötig. Sie war mitgekommen und hatte damit alles gesagt, was er wissen musste
Als sie das Glas annahm, streifte ihr Handrücken den seinen. Ein kurzer Kontakt, kaum spürbar, doch genug, um die Luft zu verändern. Etwas unsichtbar Zinnernes vibrierte darin, leise, gefährlich schön.
Sie setzte sich auf das Sofa, das halb im Schatten lag. Julien blieb stehen, gegen das Licht gerahmt, ein Umriss von Ruhe und Erwartung.
„Haben Sie oft Gäste hier?“, fragte sie, um etwas zu sagen.
„Nur, wenn sie zufällig neben mir Kaffee trinken.“
Der Satz brachte sie zum Lächeln, aber sie sah ihn nicht an. Ihre Finger glitten über den Rand des Sofakissens, so als wollte sie sich noch kurz ablenken, bevor sich die Stimmung gleich ändern würde.
Julien konnte ihre Unsicherheit sehen, ihr leichtes Zögern. Er wusste, er wollte ihr Zeit lassen. Sie sollte hier keine Pflicht vollbringen, sondern sich endlich fallenlassen können.
Und was dann folgte, fühlte sich zu ihrer Überraschung wirklich nicht gezwungen, sondern ganz natürlich an. Als würde sie nicht etwas einlösen, das sie indirekt versprochen hatte, sondern, als würde sie endlich dem folgen, das sie tief in ihrem Inneren wirklich wollte. Als seine Hand ihre Wange berührte, zögerte er keinen Moment, sondern legte den Kopf leicht in den Nacken, wandte ihren Blick ihm zu und ließ ihn sehen, dass sie genau dies so wollte. Und noch mehr. Sie spürte die Wärme seiner Hand, die über ihren Körper glitt, wie er ihren Kopf sanft in seine Richtung drehte, ohne sie zu etwas zu zwingen, aber ihr das Gefühl gab, dass er hoffte, sie würde bleiben, würde jetzt nicht seine Wohnung verlassen.
Sie drehte den Kopf zu ihm, und ihre Lippen trafen sich als Antwort auf die unausgesprochene Frage zwischen ihnen. Erst sanft, etwas unsicher und tastend.

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