Man konnte Bridgets Auftreten in diesen Momenten als Eitelkeit missdeuten, tatsächlich war es eine gesunde Selbstliebe, die darin zum Ausdruck kam.
„Nehmen sie den Bucket Bag auch?“, drang die Stimme der Verkäuferin an Bridgets Ohr. Ein Bag von Louis Vuitton, aktuelle Kollektion, als kleines Extra nach einem zweistündigen Shopping-Exzess? Nein, auf keinen Fall, mahnte eine innere Stimme. „Ja, den nehmen wir auch noch!“, hörte sie ihre Stimme seufzend sagen. Diese Stimme klang fiebrig und nervös, sie verriet den emotionalen Ausnahmezustand, in dem sie sich befand. Längst war Bridget in die Fänge der routinierten Verkäuferin geraten. Diese kannte die irrlichtenden, glänzenden Blicke von konsumsüchtiger, betuchter Kundschaft - den kurzen Atem, die bebende Stimme, wenn einmal mehr grünes Licht für den Erwerb eines weiteren Teils gegeben wurde.
Preise wurden nicht ausgeschildert, nach Preisen wurde nicht gefragt. Längst hatte Bridget den Überblick verloren: Jeans, Bleistiftröcke, Business-Outfits, Pumps, Heels und Sandaletten, Gürtel, Dessous. Der Gang zur Kasse war Belohnung und Bestrafung: All die herrlichen Dinge würden in ihren Besitz übergehen. Das war der Moment der Belohnung für all ihre tagtäglichen Mühen. Es war aber auch der Moment der Maßlosigkeit, der Verschwendung und der Dekadenz. Dafür würde sie an der Kassa bestraft werden, und zwar in Form einer schmerzhaft hohen Rechnung.
Die Verkäuferin buchte einen Luxusartikel nach dem anderen in das Kassensystem ein. Es waren mehr Teile, als Bridget befürchtet hatte. Nun gab es aber kein Zurück mehr. Ihr Herz schlug bis zum Hals, als sie beobachtete, wie sich die nicht minder luxuriöse Einkaufstüte – es war die größte, die in diesem Hause verfügbar war – prall mit ihren Neuerwerbungen füllte.
Dann kam der Moment der Wahrheit. Die Verkäuferin lächelte ihr breitestes Lächeln und nannte mit triumphalem Unterton eine Summe.
Parkschaden
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