Mario hatte sich inzwischen den beiden Autos zugewandt. Zuerst begutachtete er Bridgets Stadtflitzer, dann den Maserati. „Ich muss gestehen, ich mache mir nicht viel aus Autos und kenne mich auch nicht aus – aber soweit ich das beurteilen kann, ist kein Schaden entstanden!“, sagte er schließlich. „Was meinen Sie?“
Bridget waren die Autos gerade sowas von egal, sie fand diesen Mann viel interessanter. Die Aussage aber, dass sich Mario nichts aus Autos machte, was zum Schreien komisch. Es war nämlich völlig offensichtlich, dass dieser Mann nichts, aber rein gar nichts, dem Zufall überließ. Die Schuhe und der passende Gürtel, die klassische Leinenhose und das enge, aber nicht zu knapp geschnittene Hemd. Der geschmackvolle Akzent, den die feine Armbanduhr setzte. Die zeitlose Sonnenbrille. Bewegungen, Äußerungen. Nichts an diesem Mann deutete auf Gedankenlosigkeit oder Nachlässigkeit hin. Nicht in dieses Bild passte da aber diese Unachtsamkeit hinter dem Steuer seiner Edelkarosse. Der Typ ist mir absichtlich ins Auto gefahren, schoss es Bridget im nächsten Moment durch den Kopf.
Bridget beschloss, aufs Ganze zu gehen. „Haben Sie absichtlich mein Hinterteil geküsst?“ Während sie diese nicht sehr verklausuliert vorgetragene Zweideutigkeit ihrem Gegenüber an den Kopf warf, hatte sie provokant den Kopf zu Seite gelegt, die Haare nach hinten geworfen und die Sonnenbrille nach oben geschoben. Ihre stahlblauen Augen waren ein weiterer Trumpf – es war Zeit, diesen ins Spiel zu bringen.
Ein amüsiertes Lächeln wetterleuchtete über das Gesicht des Mannes. Einen Moment lang hatte Bridget das Gefühl, dass sich Mario ertappte fühlte. Dann aber fasste er sich. Nun schob auch er seine Sonnenbrille nach oben. Bridget blickte in dunkelbraue Augen, die alle Saiten der Wonne und Begierde in ihr zum Schwingen brachten. „Und wenn es so wäre?“ Das zurückhaltende Lächeln des Mannes verwandelte sich zu einem sympathischen, spitzbübischen Grinsen.
„Dann sollten wir Fahrzeugdaten und Versicherungspolizzen tauschen, damit die Dinge ihren Lauf nehmen können!“, meinte Bridget. Mario war ganz nahe an sie herangetreten und Bridget hatte nicht vor, die Distanz zu ihm wieder zu vergrößern. Im Gegenteil. Mario legte eine Hand auf ihre Hüfte, mit der anderen wischte er Bridget eine Haarsträhne aus der Stirn. Sein Daumen streichelte dabei über ihre Wange und strich lustvoll über ihre Unterlippe. Bridget atmete tief durch.
„Wir machen dies aber nicht hier auf diesem Parkplatz“, entschied er.
Bridget fuhr ihr Auto zurück in die Parklücke und nahm auf dem Beifahrersitz des Maserati Platz. Bevor sie ihr Fahrzeug zusperren konnte, hatte Mario die Einkaufstüte aus dem Kofferraum ihres Minis geholt. „Vielleicht brauchst du ja die Dessous von Eres heute noch!“, meinte Mario mit souveräner Coolness. Wie zum Henker konnte er wissen, dass sie gerade Dessous dieser französischen Edelmarke gekauft hatte? Wieder atmete Bridget tief durch. Sie würde keine Fragen stellen und den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Sie beschloss, sich auf ihre Gefühlsrezeptoren zu konzentrieren: Das seidenweiche Leder, das Vibrieren des Turbo-Sechs-Zylinders und die lauwarme, abendliche Luft fühlten sich himmlisch an.
Parkschaden
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