Parkschaden

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T. D. Rosari

Es hatte im Büro Ärger gegeben. Mächtigen Ärger sogar. Bridget entschied, ihren Frust in der nobelsten Einkaufsstraße der Stadt abzureagieren. Dort waren jene Stores, die in ihren Auslagen die edelsten Waren präsentierten, ohne Preise angeben zu müssen. Die Kundschaft, die in diesen Boutiquen verkehrte, hatte diese Info nicht nötig.
Bridget wusste, dass sie in dieser Stimmung ihrer Shopping-Leidenschaft nicht nachgeben sollte. Denn beim Shoppen konnte sie total ungezügelt sein. Gefährlich hemmungslos. Nicht, dass ihr Konto bei einer Einkaufstour bei Prada, Louis Vuitton, Chloé, Escada oder Fendi so schnell in die Knie gehen würde. Zu viel gab sie dort trotzdem aus, viel zu viel sogar.
Ansonsten war Bridget, die junge Geschäftsführerin eines aufstrebenden IT-Unternehmens, die leibhaftig gewordene Selbstdisziplin. Sie leistete sich nichts, was man ihr als Schwäche würde auslegen können. Immer pünktlich, gut informiert, über alle Vorgänge in der Branche und ihrem Unternehmen im Bilde. Ihre privaten Angelegenheiten regelte sie mit der gleichen Akkuratesse, im Fitnessstudio war sie besonders streng zu sich selbst.
Beim Anblick von imageträchtigen Luxusartikeln bekam Bridget aber weiche Knie. Wenn sie nicht rechtzeitig das Weite suchte, wurde sie in die Stores hineingezogen, so wie die Sterne in ein schwarzes Loch, aus dem es kein Entrinnen gab. Tatsächlich waren die Luxusboutiquen ein buntes Paralleluniversum: Hier wollte sie nicht länger kontrolliert und beherrscht sein, im Gegenteil. Wie in einem Rausch probierte Bridget Hosen, Röcke, Kleider, Kostüme, Schuhe und Accessoires. Sie schlüpfte in die abartig teure Mode und wurde von dieser Mode in eine andere Person verwandelt. Die Styles mussten ihre körperlichen Vorzüge betonen – wozu sonst kasteite sie sich beim Essen und plagte sich beim Work-Out?  Urwüchsiger Stolz auf das, was sie erreicht hatte, bahnte sich dann den Weg in ihr Bewusstsein.

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