Jolanthe öffnete die Flügel ihres Schlafzimmerfensters. Die warme Frühlingsluft kitzelte ihre blasse Gesichtshaut, der man die Spuren der kalten Jahreszeit ansehen konnte. Die junge Gouvernante sehnte sich nach Sonnenstrahlen, zumal sie einen langen und eisigen Winter hinter sich hatte. Im erblühenden Garten entdeckte sie Alwine und Luise, die sie noch immer betreute. Die Mädchen waren mittlerweile 19 und 20 Jahre alt und bedurften dennoch Jolanthes Aufsicht. Dies lag am leicht entflammbaren Wesen der jungen Damen, wobei Alwine ihre ältere Schwester in dieser Hinsicht noch übertrumpfte. Jolanthe seufzte. Erst gestern hatte sich der Vater der Mädchen bei Jolanthe über seine Töchter beklagt. Herr Lünen war sichtlich besorgt, da die Söhne seiner Schwester während ihrer Semesterferien in seinem Haus wohnen sollten. Alwine hatte sich schon einmal von Kurt zu Unfug verleiten lassen und Luise zeigte sich den Avancen seines Zwillingsbruders Knut gegenüber ebenfalls sehr aufgeschlossen. Jolanthe folgte Herrn Lünen in sein Arbeitszimmer. Nachdem sie sich ihm gegenüber auf einen Stuhl gesetzt hatte, gestand er ihr seine nicht gänzlich unbegründeten Befürchtungen.
„Liebes Fräulein Jolanthe. Wie sie wissen, haben wir die Söhne meiner Schwester für mindestens zwei Wochen zu Besuch. Knut und Kurt sind junge Männer Anfang der Zwanzig und meine Töchter in einem Alter, in dem sie sich dem anderen Geschlecht verstärkt zuwenden. Ich möchte jedoch verhindern, dass Luise und Alwine etwas mit ihren Cousins anfangen. Ich habe für Luise und Alwine anderes im Sinn, zumal sowohl Kurt als auch Knut einen lockeren Lebenswandel pflegen. Wir müssen verhindern, dass die Mädchen ihre Ehre verlieren, und dabei zähle ich auf ihre tatkräftige Unterstützung!“ Jolanthe verstand Herrn Lünens Bedenken.
Peinliche Augenblicke
Episode 7 aus: Die Abenteuer einer Gouvernante
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Peinliche Augenblicke
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