Pendlerliebe

Geschichten vom Anfang der Leidenschaft

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Pendlerliebe

Pendlerliebe

Stayhungry

Ich fühlte mich wieder so lebendig, jung, begehrenswert, hungrig. Was nochmal war der Grund gewesen für unsere Flaute? Oder hatte ich sie wirklich nur geträumt?

* * *

Wie gesagt, heute war alles perfekt. Er hatte mir vor einer Viertelstunde eine Nachricht gesandt, dass er pünktlich gelandet war und nun im Flughafenbus saß, der ihn über die Autobahn und ein paar Zwischenhalte binnen einer halben Stunde nach Hause bringen würde, bis fast vor unsere Haustür. Ich freu mich auf Dich, hatte er geschrieben, und ich wusste, das kam von Herzen.

Es war Zeit, mich bereit zu machen. Den schweren Holzstuhl mit Lederbezug aus dem Arbeitszimmer hatte ich in unseren weitläufigen Wohn- und Essbereich gerückt, direkt hin zum Flur, die zwei Flügel der Tür weit geöffnet.

Ich setzte mich in den Stuhl und zog meine Beine hoch, spreizte sie weit und legte sie über die Armlehnen. Um jeden Fuß hatte ich eine Handschelle angebracht, das Gegenstück der Fessel schloss ich an der Armlehne fest. Mein Unterleib war dem ersehnten Ankommenden präsentiert. Dann band ich zunächst das linke, dann das rechte Handgelenk mit weiteren Schellen an die Armstützen, am schwierigsten war dies bei der letzten freien Hand, denn hierzu musste ich mich arg verrenken, um mit den Zähnen die Schelle zu platzieren und dann zuzudrücken. Das metallische Rattern des Schließmechanismus war mein Triumph: ich hatte mich selbst gefesselt um mich ihm in wenigen Minuten vollkommen wehrlos zu präsentieren. Stolz war ich, auf meine Ideen, meine Gelenkigkeit, auf meinen Mut, dies ohne Weg zurück zu veranlassen.

Ja, der Tag wäre fast perfekt gewesen. Aber er war es eben nur fast.

*

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