Pendlerliebe

Geschichten vom Anfang der Leidenschaft

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Pendlerliebe

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Stayhungry

Heute war alles perfekt. Es war Freitagnachmittag und meine Eltern hatten die Kinder bereits abgeholt, weil sie morgen sehr früh zu einem Ausflug starten wollten. Ich konnte mich also in aller Ruhe einstimmen auf den Abend.

Ich hatte ausgiebig gebadet, mich mit duftendem Lavendelöl eingerieben und trug meine neuesten und für mich zugegeben etwas ungewohnten Errungenschaften: eine wahrhaft meisterlich sitzende Corsage aus Leder mit diversen aufgesetzten Metallringen, Bändern und Ketten, dazu ein entsprechendes Lederhalsband und fest geschnürte Stiefeletten mit waffenscheinpflichtigen Stiletto-Absätzen – Schuhe, die man zum Ficken nicht aus-, sondern anzieht.

Mein Unterleib war nackt und bis auf den schmalen Streifen auf meinem Venushügel frisch rasiert. Mein Blick in den Spiegel versicherte mir, ich konnte wirklich zufrieden sein.

* * *

Seit fast einem Jahr arbeitete mein Mann am anderen Ende der Republik. Seine etwas spezielle berufliche Qualifikation ließ ihm und uns relativ wenig Wahl. Der Job war gut bezahlt, die Alternative wäre gewesen, die Firma zu wechseln zu weitaus schlechteren Bedingungen. Aber umzuziehen mit der ganzen Familie, hieße das Haus verkaufen oder vermieten. Unsere Kinder haben hier Großeltern und Freunde, ein gutes, funktionierendes Umfeld. Und ich habe hier schließlich auch meinen Job. Der bringt zwar nicht so viel Geld, aber die Arbeit mit tollen Kollegen macht mir Spaß und bringt Anerkennung abseits meiner Rolle als Mami und Ehefrau. Das alles aufgeben, neu anfangen und vielleicht in zwei Jahren schon wieder umziehen? Wir waren uns schnell einig geworden, dass die Familie einen festen Bezugspunkt haben sollte und eben nur einer in die weite Welt hinausziehen muss.

*

Eine Wochenendbeziehung ist schwierig, das wussten wir. Wenn in der kurzen Zeit, die nach Hin- und Rückreise noch bleibt, alles passen muss und dann eben mal nicht passt, sind Konflikte vorprogrammiert. Das gibt es zu lesen und das kennt man aus den Berichten von Freunden und Bekannten. Uns passiert das nicht, hatten wir uns gedacht. Wir lieben uns und wir sind noch scharf aufeinander, was soll da schief gehen.

Täglich meldete er sich vor dem Abendessen zum Videochat mit den Kindern, damit der Papa nicht ganz verschwindet aus ihrem Leben. Da hängte er sich ordentlich rein und ich war froh um diese halbe Stunde. Seine sehnsüchtige Frage: Sehen wir uns später noch? beantwortete ich zunehmend halbherziger. Mich nachher nochmal aufraffen für einen intimes tete-a-tete wurde mit der Zeit immer schwieriger. Aber wenn er dann wieder zu Hause war, sind wir übereinander hergefallen. Am Anfang jedenfalls.

So zwischendurch haben wir anfangs natürlich ein bisschen Cybersex probiert, aber ehrlich: selbst ich als Frau finde ein Strip von unsereiner ansprechender als eine wichsenden Mann auf dem Bildschirm und auch mein Ehegatte war ein wenig ratlos, was er denn reizvolles machen könnte. Ich reagiere eben mehr auf Küsse und Berührung als er. Der braucht das zwar genauso, fährt aber total ab auf eine aufreizende Pose, wie ich so mit gerecktem Po meine Löcher präsentiere. Umgekehrt könnte ich mir da keinen Reiz vorstellen. Es gibt eben Unterschiede im sinnlichen Erleben von Mann und Frau.

Es war nicht so, wie wenn wir uns spüren und das spürten wir dann eben auch. So kam es, wie es kommen musste. Die Telefonate wurden sachlicher und auf seine erwartungsvolle Haltung, ein bisschen rumzumachen, reagierte ich zunehmend uninspirierter. Enttäuscht und eingeschnappt war er und die Stimmung dann meist nicht so toll. Gereiztheiten, Streit aus der Ferne, das Gefühl, alleingelassen zu werden – er weit weg von zu Hause zur Untätigkeit verdammt, ich hier mit Kindern und Job und Haus und Garten reichlich beschäftigt, belasteten die liebevollen und die leidenschaftlichen Gefühle.

Umso höher waren dann die Erwartungen an das Wochenende. In diese letztlich eineinhalb Tage musste alles an Gutem und Schönem eines Familienlebens hineingepackt werden. Dass das nicht immer hinhaut, kann sich jeder denken. Aber wenn es dich selbst trifft, tut's weh.

Schließlich gab es richtig Ärger. Unsere Jule war krank, Max eiferte quengelig ob der vermehrten Zuwendung an die Schwester, ich hatte zwei Nächte kein Auge zugetan und bekam noch meine Tage. Eigentlich war alles klar. Aber mein Mann war so ausgehungert, dass seine Gefühle wohl meinten, ich müsste trotz all des Chaos in sehnsüchtiger Erwartung vor Verlangen nach ihm
vergehen. Der folgende Streit war so ziemlich der schlimmste unserer Ehe. Natürlich tat ihm das alles leid und wir versöhnten uns matt und übernächtigt mit einer intimen Begegnung, die mehr den Wunsch nach Nähe als diese selbst verkörperte. Verkatert verabschiedeten wir uns am späten Sonntagnachmittag und ich wusste, jetzt wurde es ernst. Die Probleme einer Pendlerehe hatten auch uns erreicht.

*

Tatsächlich wurde ich lustloser. Ich musste alles alleine managen, konnte ja nicht ständig telefonieren wegen Dingen, die wir früher im Gespräch nebenbei erledigt hatten. Und wenn ich dann erschöpft auf die Couch sank, weil die Kinder endlich schliefen und der Haushalt erledigt war, dann war es mir fast lieber, wenn ich meine Ruhe vor der Glotze hatte, als dass er anrief und ich noch an unserer Beziehung arbeiten musste. Meine Unzufriedenheit entwickelte ein solides Fundament und dafür gab es zweifellos einen Schuldigen.

Er hingegen hatte es leicht: nach dem Video-Chat mit mir und den Kindern rannte mein Göttergatte los und beackerte den Fitnessparcour im dortigen Stadtpark, jeden Abend, zu jeder Jahreszeit und bei fast jedem Wetter. Und so wandelte sich mein Spargeltarzan mit dezentem Bauchansatz zum respektabel sportlichen Enddreißiger mit Bizeps und Sixpack. Ich meine, schön, dass er seine freie Zeit sinnvoll nutzt, wenn er mir schon nicht mehr bei häuslichen und familiären Pflichten zur Seite stehen kann. Aber ich war mit allem zunehmend erledigt und wollte einfach meine Ruhe.

Ja, ich war ernsthaft auf dem Weg, dem unseligen Dreigestirn Sofas, Serien, Schokolade zu erliegen, wie es Freundinnen und Arbeitskolleginnen schon ergangen war. Und von unseren ehernen Grundsätzen beim Alkohol – nicht allein, nicht im Zorn und nicht vor 18 Uhr – hielt ich nur noch den letzten ein. Meine gymnastischen Übungen vernachlässigte ich zusehends und das Mehr an Wein und Schokolade erforderte bald ein Mehr an Garderobe, Teile mit der nun passenden Größe.

Wallte in meinem Gefühlsgewirr von Einsamkeit, Erschöpfung und Langeweile nächtens unentschlossene, halbherzige Lustgeplagtheit auf, genügte ein Griff ins Nachtkästchen zum Vibrator, um diese unverzüglich zu Tode zu masturbieren. Da brauchte ich nicht noch eine Turnerei vor der Webcam.

Ich war froh, dass er nicht da war und ich vermisste ihn, und mit diesem Paradox kam ich nicht zurecht. Meiner Stimmung half das nicht heraus aus dem Loch.

*

Irgendwann wurde mir klar, dass ich in Gefahr war, meinen Mann zu verlieren. Nicht, als er gereizt war und sich über mangelnde Zuwendung beschwerte. Da gab es Streit und Versöhnung. Bedrohlich wurde es, als er genau damit aufhörte. Das war anfangs ganz angenehm und ich begann es zu genießen, mich nicht mehr um seine Bedürfnisse zu kümmern, denn meine waren, in Ruhe gelassen zu werden.

Wenn ich so über die letzten Jahre nachdachte, war ich schon vor der berufsbedingten Trennung auf Zeit auf die gefährliche Schiene geraten, dass für die intime Begegnung die Situation optimal sein musste. Und war sie's nicht, so wurde jene eben vertagt. Das war noch nicht schlimm, denn selten wurde der Fick ja doch noch nicht. Nur wenn plötzlich die Zeit des Zusammenseins arg begrenzt war, ließ dieser Anspruch nur noch wenig an Möglichkeiten offen.

Sollte sich etwas ändern, so galt es, die mögliche Zeit optimal zu gestalten. Ein solcher Vorsatz ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn daraus ein Termin bestimmter Leistungsdruck wird. Ich musste also gut in mich hineinhören, was ich wirklich wollte. Wäre es mir zuwider, wenn ich allzeit bereit sein musste? Schon, aber wäre es wirklich so? Nur, wenn ich mich auf diese Sicht der Dinge beschränkte. Ich musste ja nur aufhören damit, abendlicher Einsamkeit und Langeweile entspringende halbherzige Lustanwandlungen mit bequemer Technik zu eliminieren, um dann nicht mehr wirklich hungrig zu sein auf meinen Mann, der sich aufrichtig nach mir sehnt. Jetzt mal ehrlich: umgekehrt möchten wir Frauen das doch auch nicht!

Natürlich sind die Grundsätze: Nicht so! Nicht jetzt! Nicht mit Dir! das Recht jeder Frau und zu jeder Zeit. Aber musste ich diese Rote Karte auch meinem Mann mit erschreckender Regelmäßigkeit zeigen? Er hingegen bemühte sich nur noch, Konflikte zu vermeiden, um die Stimmung nicht zu stören, um mir doch noch nahe kommen zu können. Ein stumm Hoffender und Leidender, ein hilfloser Bettler war er geworden und nicht dieser selbstbewusste, einfallsreiche und einfühlsame Liebhaber, als der er durch offene Türen in mein Herz gestürmt war.
Ja, es musste sich etwas ändern.

*

Ich gebe zu, es war nicht allein die Einsicht meiner emotionalen Vernunft, dass ich mich aufraffte, der Entwicklung Einhalt zu gebieten. Aus vielen Gesprächen mit Freundinnen wusste ich, dass wir Frauen ganz gerne darauf pochen, unsere Unzufriedenheit mit den Widrigkeiten des Alltags durch erhöhten Bedarf an Entspannung zu kompensieren. Elan und Esprit, unsere Männer umfassend zufrieden zu stellen, erwachsen daraus selten. Solange diese um uns rum sind, sehen wir unsere Ehe - zumindest von außen - nicht bedroht. Und die Gefahr von innen wird gern verdrängt.

Aber mein Mann war nicht zu Hause. Er war 800 Kilometer weit weg. Wenn ich ihn mal unter Tags nicht erreichen konnte, weil sein Betonbunker von Bürohaus jeden Empfang seines Smartphones verhinderte oder er in einer Konferenz weilte und nicht rangehen konnte, dann nahm seine Kollegin, Frau Dr. Brandtstedt den Anruf über das Festnetz an. Die war immer sehr herzlich, richtete alles gewissenhaft aus und fand stets auch ein paar freundliche Worte unbekannter Weise.
Ich hasste Frau Dr. Brandtstedt. Und Frau Steinmann, deren beider Sekretärin. Die war zwar höflich und ebenso zuverlässig. Ich hasste sie beide, weil sie dort waren bei meinem Mann, die vielen Stunden einer langen Arbeitswoche. Unbekümmert hatte er mir schon Fotos von kleinen Geburtstagsfeiern gezeigt, die die nette Runde seines Teams zeigten. Diese Weiber waren nicht nur zuvorkommend und hatten einschmeichelnde Stimmen, sie sahen einfach auch atemberaubend gut aus. Nicht unbedingt besser als ich, aber ich war ja auch nicht dort. Die hingegen konnten ihre Möpse und Arschprachten unentwegt an ihm vorbeiwackeln. Gefahr war im Verzug und ich musste handeln.

Natürlich ist es beschämend, wenn ein Bemühen um den eigenen Mann aus einer Eifersüchtelei erwächst. Er hätte es ja verdient um seiner selbst willen, denn er war ein aufmerksamer Ehemann und respektvoller Partner. Aber derart philosophische Gedanken erlege ich mir ohne besonderen Anlass nicht gerne auf. Ich bin mehr dem konkreten Leben verhaftet und mein Mann schätzt mein zupackendes Wesen - in jeder Beziehung.

Auch wenn es also moralisch von minderem Wert sein mochte: Konkurrenz belebt das Geschäft und ich war nicht gewillt, mir selbst mein Glück zu vergraulen.

Mein Mann hatte sich immer sehr charmant und phantasievoll um mich bemüht, aber verführt hatte er mich nie, immer nur offene Türen eingerannt. Jetzt wollte ich mich dahingehend prüfen, ob ich auch halbwegs Gefallen daran finden könnte, wenn ich einfach versuchte, seinen Erwartungen zu entsprechen und ihn darüber hinaus ein wenig zu überraschen. Dazu musste ich schon ein bisschen etwas ändern in meinem Quasi-Alleinerziehenden-Leben.

*

Wenn ich die Kinder in den Sportverein brachte, ging ich nicht mehr shoppen oder ins Cafe, sondern dort in das kleine und gewiss nicht feine Fitnessstudio. Aber der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die Pfunde sackten wieder weg und ich fühlte mich frisch und lebendig wie lange nicht mehr, bereit zu neuen Taten.

Ab Donnerstag Nachmittag schob ich to-do-Listen beiseite und gönnte mir Erholung vom Hamsterrad, egal, was liegen blieb. Schon deshalb war ich am Freitag besser gelaunt, und ja, ich freute mich wieder auf meinen Mann!

*

Die Veränderungen verliefen zunächst unmerklich. Dass ich ein wenig drall geworden war, hatte er nicht ein einziges Mal angesprochen, dazu war er zu respektvoll. Als ich das einmal seufzend erwähnte, hat er mir nur liebevoll versichert, dass er mich schlicht und einfach hinreißend findet. Ich wusste, es kommt von Herzen und es fiel schwer, ihm, dem Grund allen Verdrusses, so richtig zu grollen. Die Küsse auf meinen Speckröllchen waren dann doch zu süß.

*

Anfangs hatte ich einfach wieder darauf geachtet, Zeit füreinander frei zu halten und dann möglichst nicht total erledigt zu sein. Das Fitnessprogramm zeigte nicht nur auf der Waage und beim Blick in den Spiegel Wirkung. Ich fühlte mich wieder frischer, tatkräftiger und auch begehrenswert. Seine sehnsüchtigen Gefühle für mich waren mir wieder Kompliment und Geschenk. Ich freute mich auf ihn.

Er schien gar nicht darüber nachzudenken, war einfach glücklich über meine neu erwachte Zärtlichkeit und Empfänglichkeit, fragte nicht nach dem Grund der wundersamen Wendung. Das wäre wohl auch gar nicht so gut gewesen, hätte frau hier doch durchaus gereizt eine Vorhaltung heraushören könnte. Wie auch immer, unser Zusammentreffen war wieder schöner geworden.

*

Als dann die drei Kinder meiner Schwester ein Wochenende bei uns verbringen mussten, war unsere Oase der Entspannung gefährdet. Denn dann gab es selten ruhige Nächte bei schlechten Träumen in ungewohnter Umgebung, mit Heimweh und Mamaschmerz. Als mein Mann nach Hause kam, gefasst, weil vorab informiert, sahen die Kleinen noch einen Zeichentrickfilm, den ich ihnen vor dem Zubettgehen gönnte. Die Szenerie war friedlich, wie sie so gebannt aneinander gekuschelt auf dem Sofa saßen. Für eine stürmische Begrüßung war heute keine Zeit.

Es sprach nichts dagegen, meinen Mann auf die Probleme mit der Heizung anzusprechen, das Wasser werde nicht mehr warm und da leuchte ein rotes Lämpchen. Er reagierte ein wenig genervt. Nicht, weil ich ihn gleich bei seiner Ankunft damit überfiel, sondern wegen des vielleicht nötigen Handwerkereinsatzes am Wochenende.

Ich folgte ihm die Treppe hinunter. Er suchte, fand aber alle Anzeigen in Ordnung und drehte sich mit fragendem Blick zu mir um. Aber da hatte ich meinen Arm schon um ihn geschlungen, fasste mit der anderen Hand an seine Hose und verschloss seinen Mund mit meinen Lippen. Wird sich wohl wieder selbst eingekriegt haben, diese Heizung. Ist vielleicht einfach eine Zicke, murmelte ich, als sich sein Mund schon wild meinen Hals hinunter küsste.

Ich fummelte mit zittrigen Fingern an seiner Hose, befreite sein Glied. Er hatte seine Hand schon unter meinem Rock, fuhr in meinen Slip, streichelte meinen Anus und steckte mir seinen Finger in die Spalte. Oh Gott, war ich feucht.

Ich machte mich frei aus seiner Umarmung und nahm sein Glied in den Mund, saugte heftig, dann drehte ich mich um, und zog meinen Slip hinunter. Komm, wir haben nicht viel Zeit! Schnell drang er in mich und stieß hart und schnell, ohne Vorspiel und ersten Höhepunkt für mich allein. Ich stand da, den Po gereckt, auf den Heizkessel gestützt und musste meinen Kopf zurück krümmen, um nicht an den Kamin zu knallen. Unbequem, aber geil und verrucht war diese Begegnung. Er spritze schnell ab und ich war noch nicht gekommen, so kniete er sich vor mich und leckte mit ins Glück. Diese schnelle Erregung, die Angst entdeckt zu werden, das Fallenlassen jeglicher Hemmungen ließen mich in einem intensiven, fast schmerzhaften Orgasmus kommen.

Mama! Was macht ihr da? fragte Gott sei Dank keine der Gören. Mit weichen Knien zogen wir uns wieder korrekt an und schlichen matt mit unserem kleinen schmutzigen Geheimnis die Treppe hinauf. Die Kleinen hatten uns gar nicht vermisst und wir gesellten uns zu ihnen.

Die Nacht war turbulent wie erwartet. Gut, dass die kluge Frau vorgebaut hatte. Und weil sich am Samstagabend alles wiederholen sollte, haben wir selbstverständlich auch die Heizung nochmals inspiziert. Erfolgreich, versteht sich.

*

Das folgende Wochenende war heikel. Seine Hand fuhr unter meinen Rock in meinen Schritt - und die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er hatte die Binde gespürt und sah seine erotische Wiederbelebung schon den Bach hinunter rauschen. Er selbst hatte zu Beginn unserer Beziehung zwar gesagt, ein guter Seemann fährt auch übers Rote Meer. Aber ich ekelte mich und habe dieses Ansinnen konsequent abgelehnt.

Ich lächelte verschmitzt und hauchte meinem Stirn runzelnden Liebsten ins Ohr: Ich trage seit Stunden einen Buttplug und bin schon schön weit. Hast Du Lust auf ein wenig schmutzigen Sex? Ich habe auch mit dem Klistier ordentlich ausgeräumt.

Er war sprachlos und heiß war ihm, sein Atem keuchte und er schob sich gierig über mich. Bei Dir ist mir nichts schmutzig! stöhnte er und hatte mich schon fest umschlungen. Es war wunderbar, diese wilden Küsse auf meiner Haut zu spüren - und sie zu erwidern.

Kein Wunder, dass er sich wunderte, als ich ihn zum Künstlereingang bat. Wir hatten das mal probiert, anal, ein wenig ungelenk. Mir es hatte wehgetan und er hatte, wohl wegen des vielen Gleitmittels eh nichts gespürt. Ich hatte schon ein paar Tage mit dem Plug geübt, genauer gesagt mit einem Set, das verschiedene Größen der preiswerten Silikon-Version beinhaltete und nun war ich, nach der Reinigung mit dem Klistier sehr empfänglich für sein strammes Glied.

Schon als mein Mann den stylishen Edelstahl-Plug vorsichtig herauszog, war dies ein wirklich lustvoller Akt. Er war sichtlich fasziniert von meiner ungewohnten Lust am Neuen. Ich rieb sein Glied ein mit dem glibbrigen Gleitmittel und führte es an meinen Anus. Mein Mann ließ sich Zeit, forderte nur wenig an meinem Muskel, aber ich war willig und er konnte fast leicht in mich dringen, nur ganz wenig zunächst. Dort bewegte er sich sanft hin und her, bis ich mich ihm ganz geöffnet hatte und zufrieden stöhnte. Fick mich! ermunterte ich ihn und das tat er dann auch. Er stieß nun ordentlich zu und krallte sich in meinen Arsch. Mir tat er gut, dieser Lustschmerz und ich begann zu masturbieren. Noch 'während mein Mann in mir zugange war, kam ich heftig. Mein ganzer Körper verkrampfte sich, zuckte und ich war sicher auch lauter als es für den Schlaf der Kinder gut war.

Spritz mir in den Mund! rief ich, als er immer heftiger stieß und mir das schon ein bisschen weh tat. Mit geweiteten Augen sah er mich ratlos an und stieß weiter. Spritz mir in den Mund! rief ich nochmals. Asstomouth ist jetzt sicherlich widerlich, aber ich hatte mich mit dem Klistier gründlich gereinigt und befürchtete da nichts mehr. Und überhaupt erregte es mich ehrlich gesagt immer mehr, alle Hemmungen fallen zu lassen. Mit dem letzten heftigen Stoß zog er seinen Schwanz raus und schon ihn mir in den Mund. Mit meinen Lippen hatte ich einen strengen muskulösen Kreis geformt, den ich über seine Eichel zog und mit meiner Zunge kreiste ich um sie. Es machte ihn wahnsinnig und er spritzte und spritzte in meinen Mund. Und ich sog das letzte Tröpfchen aus ihm und schluckte alles runter. Keuchend sackte er schließlich auf mich herab und ich ersparte ihm meinen nun wahrlich schmutzigen Kuss nicht.

*

Um es kurz zu machen: Erfolg beflügelt und mit dem Essen kam der Appetit. Seine Freude, seine Liebesschwüre, sein Bekenntnis, verrückt nach mir und meinen Löchern zu sein, taten mir gut.

Die Verhältnisse verkehrten sich ins Gegenteil. Allmählich wurde er misstrauisch, stellte Fragen nach Verehrern oder wenigstens Verfolgern, die mich anmachten während der Woche, wo ich doch so eine rattenscharfe Hammerbraut sei. Ich musste immer lachen, doch ich lachte ihn nicht aus. Ich lachte vor Freude: die Frau Dr. Brandtstedts, Steinmanns und all ihre namenlosen Wiedergängerinnen hatten verloren und ich genoss meinen Status als allumfassend begehrenswerte und begehrte Frau.
Schön langsam fand ich Gefallen daran, unsere seltenen Begegnungen ansprechend vorzubereiten. So gab es kein Wiedersehen mehr ohne zumindest einen kurzen Begrüßungsfick, eine heimliche Fellatio, einen Quickie im Verborgenen oder eine ausgedehnte Liebesnacht mit der einen oder anderen Raffinesse.

Ich fühlte mich wieder so lebendig, jung, begehrenswert, hungrig. Was nochmal war der Grund gewesen für unsere Flaute? Oder hatte ich sie wirklich nur geträumt?

* * *

Wie gesagt, heute war alles perfekt. Er hatte mir vor einer Viertelstunde eine Nachricht gesandt, dass er pünktlich gelandet war und nun im Flughafenbus saß, der ihn über die Autobahn und ein paar Zwischenhalte binnen einer halben Stunde nach Hause bringen würde, bis fast vor unsere Haustür. Ich freu mich auf Dich, hatte er geschrieben, und ich wusste, das kam von Herzen.

Es war Zeit, mich bereit zu machen. Den schweren Holzstuhl mit Lederbezug aus dem Arbeitszimmer hatte ich in unseren weitläufigen Wohn- und Essbereich gerückt, direkt hin zum Flur, die zwei Flügel der Tür weit geöffnet.

Ich setzte mich in den Stuhl und zog meine Beine hoch, spreizte sie weit und legte sie über die Armlehnen. Um jeden Fuß hatte ich eine Handschelle angebracht, das Gegenstück der Fessel schloss ich an der Armlehne fest. Mein Unterleib war dem ersehnten Ankommenden präsentiert. Dann band ich zunächst das linke, dann das rechte Handgelenk mit weiteren Schellen an die Armstützen, am schwierigsten war dies bei der letzten freien Hand, denn hierzu musste ich mich arg verrenken, um mit den Zähnen die Schelle zu platzieren und dann zuzudrücken. Das metallische Rattern des Schließmechanismus war mein Triumph: ich hatte mich selbst gefesselt um mich ihm in wenigen Minuten vollkommen wehrlos zu präsentieren. Stolz war ich, auf meine Ideen, meine Gelenkigkeit, auf meinen Mut, dies ohne Weg zurück zu veranlassen.

Ja, der Tag wäre fast perfekt gewesen. Aber er war es eben nur fast.

*

Er war immer sehr pünktlich. Nur heute schien das nicht so zu sein. Irgendetwas stimmte nicht, nur was sollte ich tun? Ich war hilflos und schön langsam wurde es ungemütlich auf dem Stuhl. Mein Smartphone klingelte und vibrierte, nur eben außer Reichweite auf dem Wohnzimmerbuffet. Nach mehrmaligen Anrufen mobil, klingelte das Festnetztelefon und der Anrufbeantworter sprang an. Hörbar mitgenommen erzählte mein Ehemann, dass er in einem Auffahrunfall stecke und es länger dauern könne, bis er nach Hause kommt. Ihnen im Bus sei zwar nichts passiert, aber weiter vorne lande gerade der Rettungshubschrauber auf der Autobahn. Und dann noch die Frage, ob bei mir alles in Ordnung sei, weil ich nicht erreichbar bin.

*

Es dauerte tatsächlich zwei Stunden, bis ich seinen Schlüssel im Schloss hörte. Verflogen war die sinnlich aufheizte Stimmung. Ich hatte mich als verruchter Vamp präsentieren wollen, der selbstbewusst umfassende Zuwendung in Phantasie und Leidenschaft einforderte. Die Fessel entbindet mich ja von jeder eigenen Initiative und er darf - und muss - das Gelingen allein arrangieren. Stattdessen hing ich verkrampft, mit schmerzendem Kreuz und halb abgestorbenen Gliedmaßen ziemlich lächerlich in diesem Folterwerkzeug von Stuhl. Zweimal schon hatte ich auf den Boden gepinkelt, weil ich mir ja noch meine große Tasse Kaffee gegönnt hatte, bevor ich zur Tat schritt. Ich war ein Häufchen Elend.

Der Gesichtsausdruck meines Gatten war schlicht unbeschreiblich. So saß ihm noch der Schreck in den Knochen angesichts des tragischen Unfalls, doch auch die Sorge um mich, weil ich nicht geantwortet hatte. Der erste Blick auf die unwirkliche Szenerie ließ ihn erkennen, was er durch die Widrigkeit der Umstände verpasst hatte, und dass mir der Sinn nur noch nach Erlösung aus meiner selbst verschuldeten Bedrängnis stand. Ich fühlte mich wie ein Schulmädchen und wie eine klapperige Oma zugleich, nur nicht als verführerische Ehefrau.

Kannst du mich losmachen? flehte ich, noch bevor mein verblüffter Göttergatte auch nur ein Wort gesagt hatte. Mir tut alles weh!

Natürlich! antwortete er und suchte fahrig auf der Kommode nach den Schlüsseln. Er machte mich los, hob mich hoch und trug mich ins Schlafzimmer. Mach Dich nicht schmutzig, hauchte ich kraftlos, ich hab ja gepinkelt. Lass es, es riecht wunderbar. Ich fügte mich, sollten sein Hemd und das frische Laken eben gleich wieder gewechselt werde. Es gab Schlimmeres.

Auf dem Bett liegend streckte ich meine geschundenen und halb abgestorbenen Glieder. Mein Mann massierte bedächtig meine verspannten Muskeln und allmählich kroch wohlige Zufriedenheit in mich. Er nahm sich wirklich Zeit und ich begann wegzudösen.

*

Entspannt lag ich auf dem Bett. Auffällig war nur, dass er nichts von meiner verruchten Verkleidung entfernte, obwohl er mich doch dann noch viel besser umsorgen könnte. Ich begann den Grund zu ahnen. Er schien mit sich zu ringen, aber druckste auf meine Nachfrage nur rum. Doch ich kam schnell selbst dahinter. Magst mich nochmal auf den Stuhl fesseln? Ich glaub das würde uns beiden gefallen. Er strahlte. Dann zierte er sich, nein, das müsste nicht sein und so. Ich habe seine Bedenken beiseite gewischt. Komm, ich bin doch schon ganz wuschig. Sein Widerstand war eben mehr formeller Natur, ein Resultat seines Anstandes, denn er hat mich dann ohne langes Zögern angekettet und sehr leidenschaftlich gefickt. Zuerst hatte er hat meine Löcher liebkost, mich hochgejagt mit Lippen und Zunge und dann ansprechend und ausdauernd in mich gestoßen. So wie immer eben. Die Begattung war schließlich doch noch sehr befriedigend.

Dass ich die Ledercorsage, das Halsband und die Stilettos nicht mehr loswerden würde, war mir klar. Wer weiß, vielleicht kommt noch eine Reitgerte hinzu.

*

Ach übrigens: dass Frau Dr. Brandtstedt fest in weiblicher Hand ist und mein Mann Frau Steinmann als konservative Zicke nicht leiden kann, geht mir echt am Arsch vorbei. Was hab ich denn mit denen zu schaffen?

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