„Daniel ist ziemlich jung, macht gerade seinen Führerschein. Aber gestern ist er durch die Prüfung gefallen, weil er sich nicht konzentrieren konnte“, erklärte Wulff. „Er hat nur noch dich im Kopf und sein Violoncello. Du solltest einmal sehen, wie virtuos seine Hände den Bogen über sein Instrument führen. Manchem Mann täte es gut, erst den Umgang mit einem Violincello zu erlernen, bevor er die richtigen Saiten einer Frau erklingen lässt.“ Wulff schaute wieder hinüber zur Tür auf der gegenüberliegenden Seite.
- Dort stand also Daniel, der junge Mann, der mich so bewunderte, so wie die Natur mich geschaffen hatte, sonst hätte er kein Bild von mir anfertigen lassen und über sein Bett aufgehängt. - Was wollte ich mehr?
Vielleicht dass er mich wie sein Violoncello zwischen seine Schenkel nahm und mit seinen Händen die lustvollen Saiten meines Körpers zum Schwingen brachte, den Bogen über meinen Körper führte, und ich wimmernd und stöhnend meine Wollust bis zum Crescendo meines Orgasmus erklingen ließ? - Das hatte ich gerade bei Wulff.
„Will er wirklich nur eine Unterschrift von mir?“, wollte ich wissen. Wulff zuckte mit den Schultern. „Geh zu ihm und frage ihn selbst.“
Ich hielt Daniel auf der anderen Hausseite ständig im Blick, als ich auf ihn zuschritt.
„Daniel, nicht wahr?“
Der junge Mann schluckte und wurde puterrot, als ich vor ihm stand. Er nickte erst jetzt und blickte mich mit weit aufgerissenen Augen an.
Auch ich blieb reglos vor ihm stehen und genoss es mit all meinen Sinnen, dass ein Mann nur Augen für mich hatte, mich bewunderte, mich abgöttisch verehrte.
Erst nach einer Weile fragte ich ihn, wo er das Bild aufbewahrte, das ich signieren sollte.
„In, … in meinem Zimmer, Madame!“ – ‚Madame‘ hatte er respektvoll zu mir gesagt. Ich fühlte mich erhöht wie zu einer königlichen Hoheit, vor der ein Untertan eine Gnade erflehte.
„Du willst meine eigenhändige Unterschrift darunter, hat mir Herr Triebsch gesagt.“
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