Auch Helga neben mir trank hastig ihren Kaffee aus. „Ich störe wohl nur“, meinte sie, als auch sie sich verabschiedete.
Ich war allein mit diesem Mann und dachte plötzlich mit Schrecken daran, dass auch er gleich aufstehen und fortgehen würde, ohne dass ich wusste, ob und wie ich ihn wiedertreffen konnte. Ich kannte noch nicht einmal seinen Namen, nur seine Ansichten über ‚zierliche Pfirsichbrüste‘, von denen er so bewundernd gesprochen hatte. Bei mir würde er gleich zwei davon finden.
„Ich hoffe, ich habe Ihre Freundinnen nicht verschreckt?“, meinte er.
„Mag sein“, entgegnete ich mit einem langen Seufzer. „Aber dafür haben Sie mir aus dem Seele gesprochen.“ Ich lächelte ihn an. Irgendetwas musste ich unternehmen, um ihn wiederzusehen.
„Sind Sie von hier?“ Er nickte, ich rückte näher zu ihm. „Wohnen Sie in der Nähe?“
„Nicht weit von hier.“ Er deutete mit einer Hand in die Straße ganz links.
„In der gleichen Richtung wohne ich auch“, erklärte ich und schämte mich ein wenig, ihn so angelogen zu haben.
Wir lächelten uns an wie nach einer geheimen Verabredung; er zahlte, wir standen auf und gingen schließlich eng nebeneinander in die Richtung, in der wir beide wohnten - angeblich.
„Ich heiße übrigens Rosi“, erklärte ich ihm unterwegs und hakte mich einfach an seinem Arm ein. „Wulff“, erwiderte er.
Wulff brauchte mich nicht zu sich in sein Haus einzuladen, als wir davorstanden. Alles schien wie nach einem vorgesehenen Plan abzulaufen: Ich folgte ihm durch die Haustür und den Flur in ein großes Licht durchflutetes Wohnzimmer. Die Tür geradeaus ging bestimmt in das Schlafzimmer. In Gedanken sah ich schon seine bewundernden Blicke auf meine ‚zierlichen Pfirsichbrüste‘ gerichtet. Zum ersten Mal brauchte ich mich dafür nicht zu schämen. - Und was danach kam, war mir egal.
Mir ging alles viel zu langsam. Wulff hielt zwei Gläser Sekt in Händen. „Ich denke, wir sind beim Du“, meinte er und ließ sich auf dem Sofa nieder.
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