Phantasien unterwegs

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Phantasien unterwegs

Phantasien unterwegs

Paul Magallas

II
Ich sitze auf einem Platz in der vordersten Reihe in Fahrtrichtung. Maximal drei Meter entfernt auf einem der Sitze an der Längsseite sitzt sie – diese ‚Lady in Black‘. Alles an ihr ist dunkel bzw. schwarz: Die Haare im sportlichen Kurzhaarschnitt, ihre Augen, ihre Kleidung: Schwarze körperbetonte Jacke, enge Röhrenjeans und an den Füßen ebenfalls schwarze Stiefletten. Was für ein Anblick!
Ich kann mich nicht sattsehen. An dieser Frau stimmt alles. Die ersten Male schaue ich schnell weg, wenn sie meinen Blick erwidert. Dann fängt sie an, mich anzuschauen. Ich halte stand. Unsere Blicke begegnen sich, versinken ineinander. Nach einer Weile erhebe ich mich und setze mich direkt neben sie. Sie wirkt nicht überrascht. „Gefällt dir, was du siehst?“ „Und ob!“ „Und was bedeutet das?“ „Sag’s du mir“. Das vertrauliche Du entspricht von Anfang der Ebene, auf der wir mit unseren Blicken angekommen sind. „Wozu hättest du Lust?“ „Allerlei“. „Geht’s etwas genauer?“ „Nun, vielleicht einen Kaffee miteinander trinken, sich kennenlernen und beschnuppern. Das meine ich übrigens wörtlich.“ „Hat dich dieses Gedicht in der Bahn drauf gebracht: „du kannst mein parfüm ruhig mitbenutzen / was meinst du wie du dich dann liebst / wenn du mich an dir erschnupperst“? „Gutes Gedicht, aber eigentlich dachte ich in andere Richtungen“. „Also gut, lass uns an der nächsten Station aussteigen. Dann gehen wir den Hügel hoch ins ‚Tee-Haus‘.“
So machen wir’s. Ich lasse die ‚Lady‘ gerne etwas vor mir gehen, um mich an ihrer Rückseite zu weiden. Wir finden einen Platz. Wir kommen schnell ins Plaudern. Irgendwann fängt ihr Fuß an, mit meinem zu spielen. „Phase 1 ist erledigt. Und was jetzt?“ „Jetzt suchen wir ein ungestörtes Plätzchen. Dann umarmen wir uns. Meine Hände kriegen die volle Erlaubnis, deine Rückseite zu erforschen“. „Klingt gut!“ Sie scheint sich hier oben auszukennen.

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Gedichte auf den Leib geschrieben