Phryne

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Phryne

Phryne

Leif Larsson

Sie trug zudem als einziges Kleidungsstück eine weiße Seidenbluse, die sie lediglich unter der Brust verknotet hatte. Der klatschnasse, halbtransparente Stoff klebte wie ein hauchfeiner Schleier an ihrer Haut und gewährte mehr als nur eine Andeutung ihrer Anatomie.
„Überraschung, Überraschung!“ rief sie, drückte ihm eine gefüllte Sektflöte in die Hand und setzte sich neben ihn.“ Ich denke, diese kleine Erfrischung haben wir uns verdient.“
Sie stießen an und tranken, lässig aneinander gelehnt.
„Sag mal,“ begann Carlo und deutete mit dem Glas auf die Statue. „spielen mir meine vom Wasser getrübten Augen einen Streich, oder besitzen alle Venusstandbilder hier eine gewisse Ähnlichkeit mit dir?“
„Schön, dass du es bemerkt hast.“ antwortete sie. In ihrer Stimme schwangen Stolz und Verlegenheit zugleich. „Als ich die Therme plante, schlug mir eine Freundin vor, kleine Standbilder von Aphrodite oder von Venus aufzustellen. Da ich das Bad damals Venus-Therme nennen wollte, war ich von der Idee begeistert. Meine Freundin, die Kunstgeschichte und Bildhauerei studierte, bot sich an, die Statuen zu entwerfen und anzufertigen. Das würde preiswerter kommen, als sie bei einem Künstler in Auftrag zu geben. Es kostete mich nur einige Stunden, in denen ich Modell sitzen musste.“
„Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll: die Kunstfertigkeit deiner Freundin oder deine Schönheit.“
„Danke für die Blumen. Aber mein Vater war von den Figuren gar nicht begeistert. Wahrscheinlich hatte er mich in ihnen wiedererkannt. Deshalb wurde das Bad dann Delfin-Therme genannt und ohne Statuen eröffnet. Nach seinem Tod habe ich sie dann hier aufstellen lassen.“

„Sich selbst zum Vorbild für eine Götterstatue machen!.“ rief Carlo und schüttelte mit gespieltem Tadel den Kopf. „Im antiken Athen hat das schon einmal ein Frauenzimmer namens Phryne gewagt und wurde deshalb vor Gericht der Blasphemie angeklagt.“

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