Pizza auf der Piazza von Ovada

Geschichten vom Anfang der Träume

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Pizza auf der Piazza von Ovada

Pizza auf der Piazza von Ovada

Stayhungry

Es war wie immer.
Der Wein stieg der Liebsten zu Kopf und an intime Freuden am schönen Abend eines anstrengenden Reisetages war ohnehin nicht zu denken. In fremden Bädern und fremden Betten fühlte sie sich selten so wohl, dass der Garten der Lüste seine Tore mehr als den üblichen engen Spalt öffnen würde.
Was zu Hause der Stress des Alltags sabotierte, machten andernorts anstrengende, intensive Urlaubsaktivitäten, gutes Essen und Trinken mit tiefer Befriedigung über die Schönheit des Erlebten überflüssig. Um nicht stets der Friedensstörer zu sein, hatte er sich in sein Schicksal ergeben und war zufrieden damit, in charmanter Begleitung die schönen Seiten des Lebens zu genießen - und bei zurückhaltender Vergewisserung seines nach wie vor bestehenden Interesses gelegentlich und unverhofft auch deren leidenschaftliche.
Bald drängte sie zu Bett. Natürlich war ihr bewusst, dass es dafür eigentlich noch viel zu früh war an einem derart wunderbaren, milden Frühsommerabend und so bat sie ihn nur um den Schlüssel und ermunterte ihn, noch zu bleiben. Sie ließe die Zimmertür unverschlossen und die Haustür des nahen Hotels sei ja noch bis Mitternacht geöffnet.

Ein wenig wehmütig sah er sie gehen, die ihm noch ein Küsschen zurück über die Schulter zuwarf. Dann hing sein Blick an den anmutig schwingenden Backen ihres Pos im luftigen Sommerkleid, wie sie auf hohen Sandaletten über die Piazza schritt und in der gegenüberliegenden Gasse verschwand.
Ja, er begehrte sie wie am ersten Tag und das Ziehen in Brust und Schritt würde er mit etwas mehr Wein besänftigen, als gut war für die morgige Fahrt - egal, sollte sie die ersten Stunden fahren, ausgeschlafen würde sie sicherlich sein.
Er bestellte also beim vorbeihuschenden Ober noch eine kleine Karaffe und gab sich dem melancholischen, zeitlosen Genuss des Beobachtens fremder Menschen hin, wie sie lachten, diskutierten, über den Platz flanierten. Das war der Süden, eben einer dieser sprichwörtlichen italienischen Momente im Leben.

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