Was ist mit ihr? kam sie auf ihre eingangs gestellte Frage nach seinem Gemütszustand zu sprechen.
Und er, die Zunge vom Wein gelockert und für Bedenken nicht mehr empfänglich, erzählte ihr vom Schwinden ihrer Lust mit dem Lauf der Jahre, von den Krisen, seinen verzweifelten Versuchen, ihr vor Augen zu führen, was sie zu verlieren im Begriff waren und zu erfahren, dass nur er dies als Verlust empfand, von seinen vergeblichen Versuchen, sie wieder zu entflammen. Er erzählte ihr von der Beständigkeit der Liebe und der Treue in wahrhaft schwieriger Not mit dem Elend von Leid und Tod in der Familie, von der bitteren Erkenntnis der Vergeblichkeit des Mühens, von Verzweiflung, Aufbegehren, Wut, Enttäuschung, und von der Rückkehr liebevoller Gefühle trotz verschlossenem Weg zurück, von der Erkenntnis, einander lieben heißt einander lassen.
Es zieht noch immer in der Brust, wenn ich sie ansehe, bekannte er. Beim Blick in ihre Augen geht das Herz geht immer noch auf, nur die Wildheit der Gefühle findet keine Entsprechung mehr. Die Sehnsucht, diese bittersüße Melancholie, empfindet sie nicht mehr, ich aber begehre sie wie am ersten Tag.
Aus traurigen Augen sah sie ihn an, hatte ihn nicht ein einziges Mal unterbrochen. Alles, alles schien sie verstanden zu haben, wie er es fühlte.
Seit langem schon war er so einsam mit seiner Not und schwieg doch allen Freunden und Bekannten gegenüber, wollte seine aufrichtig geliebte Gattin nicht bloßstellen, und schon gar anschwärzen in niveauloser Herrenrunde. Und nun schüttete er einer Fremden in einem fremden Land in fremder Sprache sein Herz aus.
Pizza auf der Piazza von Ovada
Geschichten vom Anfang der Träume
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Pizza auf der Piazza von Ovada
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