Es war wie so oft.
Eine Frau, die sicherlich fast jeden haben konnte, nur eben nicht wollte, interessierte sich für ihn, gerade weil er keine Flirtattacke gestartet hatte, wohl aber dem Blick ihrer Augen unverzüglich erlegen war.
Dieses Interesse hatte eindeutig und absolut erotische Motive im Sinne der seelisch-sinnlichen Anziehung, aber es war gerade deswegen eben nicht eingeschränkt auf eine sexuelle Dimension, eine schnelle Gelegenheit einer spontanen Regung zu folgen, sondern es galt einvernehmlich und gegenseitig der Person des anderen.
Es war kein Spiel mit dem Feuer – ein Tanz auf dem Vulkan war das, denn solche Momente konnten das Leben verändern.
Was liebst Du an ihr?
Ich liebe ihre Haut, ihren Duft, ihr Lachen und ihre Löcher.
Rotschopf prustete los. Du bist so romantisch und so versaut, ich könnte mich in Dich verlieben.
K. erschrak – ein wenig. Eine wundervolle Frau interessierte sich für ihn, machte ihm aufrichtige Komplimente und bezähmte nur mühsam ihr Begehren. Auf all das musste er schon lange verzichten. Er wusste um den Wert des Beständigen, das den Platz des Werbens und Verführens eingenommen hatte. Aber es verletzte ihn, dass die geliebte Ehegöttin das langsame Verschwinden dieses Liebes-Spiels nicht als schmerzlich empfunden, ihm nichts entgegengesetzt, es tatsächlich als verzichtbar, als unnötigen Aufwand im Ehealltag eingeordnet hatte. Und andere, Fremde waren bereit, ihm dies zu schenken.
Doch wäre ihr Weg nicht genauso vorgezeichnet?
Mochten andere in solchen Momenten schwach werden, und vielleicht vollkommen zu Recht eine überbordende Wertschätzung als Balsam ihrer verwundeten Seele einfach genießen im Wissen um die Vergänglichkeit des Lebens, das mit jedem Tag schwindet. Er selbst hatte unter der Untreue seiner ersten Frau gelitten, unter ihrer Unaufrichtigkeit und ihrer Hinterlist, denn ihm gegenüber war sie eifersüchtig, obwohl sie sich nahm, was sie ihm nicht einmal in Gedanken zugestand.
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