Pola und der Ballettlehrer

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Pola und der Ballettlehrer

Pola und der Ballettlehrer

Andreas

Pola musste ihrem Vater hoch und heilig versprechen, dass sie die Winkelgasse in Zukunft meiden werde. Der um den untadeligen Ruf seiner einzigen Tochter besorgte Fabrikant gab sich damit zufrieden. Pola schürzte ihre vollen Lippen für ein Abschiedsküsschen. „Viel Spaß beim Ballettunterricht!“, rief der Papa, „Und richte Frau Meyen einen Gruß von mir aus.“ Pola verkniff sich ein Grinsen. Wenn der alte Herr wüsste, dass Frau Meyen neben der Leitung ihrer Ballettschule auch Zimmer vermietete, die sich im Haus nebenan befanden. Pola mochte gar nicht daran denken. Zum Glück konnte sie sich auf Frau Meyens Verschwiegenheit verlassen. Die attraktive 45 Jahre alte Dame mochte die hübsche Tochter aus gutem Hause. Elvira Meyen erkannte ihr jüngeres Ich in Pola Blecha wieder. Wie Pola rebellierte auch sie gegen die einengenden Zwänge ihrer bürgerlichen Erziehung. Sie erinnerte Pola daran, dass diese vor der Sittenpolizei auf der Hut sein müsse. Deswegen nahm Pola heute einen Umweg in Kauf, der sie nicht durch das Prager Rotlichtviertel führte. Pola musste sich beeilen, da sie um 18 Uhr von Herrn Adam erwartet wurde. Herr Adam war ein sehr guter Kunde, der besondere Vorlieben pflegte. Die blonde Pola lief mit raschen Schritten. Ihre Absätze klackerten auf dem Kopfsteinpflaster, als sie sich dem unscheinbaren Haus näherte. Mirko gab ihr den Zimmerschlüssel. „Ist Herr Adam schon da?“, wollte sie wissen. „Nein, du kannst dich entspannen. Hörst du die Geräusche aus Zimmer 10? Valentas Besuch auf dem Polizeirevier dürfte ihren Umsatz steigern. Die Kerle sind verrückt danach, ihre Spuren zu bewundern. Der junge Mann, den sie gerade am Wickel hat, ist das beste Beispiel.“ Pola grinste, als sie ein männliches Stöhnen vernahm. Der Rohrstock des Oberinspektors hatte auch seine guten Seiten.

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