In der Wanne

43 8-13 Minuten 0 Kommentare
In der Wanne

In der Wanne

A. David

Im Hintergrund hörte ich Martinshörner. Jede Menge. Sie wurden langsam lauter. Die meisten Autofahrer hatten zwischen der 2. Und 3. Spur die Rettungsgasse gelassen. Ein paar haben nicht daran gedacht und waren dem Vordermann auch noch zu dicht auf die Pelle gerückt. Sie versuchten jetzt, durch Vor- und Zurücksetzen irgendwie eine Lücke für die Einsatzfahrzeuge zu schaffen.

Erst kam Polizei, dann ein Rettungswagen, dann nochmal Polizei, dann ein Löschzug der Feuerwehr. Dann nochmal Polizei. Dann ging es ein paar Meter weiter. Dann war wieder Ende Gelände.

Ich machte den Motor aus und dachte an meine Frau. Die war noch auf der Arbeit, aber der Stau würde sicherlich länger dauern. Ich wählte ihre Büronummer über das Display im Armaturenbrett. Sie nahm ab. Die Verbindung war klar und deutlich.

„Hallo Schatz, was gibt’s?“ „Zur Zeit 6 km Stau auf der A 2 Richtung Hannover, Tendenz steigend. Ich steh da drin. Da brennt wohl ein Auto. Sieh zu, dass du vielleicht eine andere Route nimmst. Ciao, bis nachher.“

Da stand ich jetzt, die Automatik hatte den Motor ausgeschaltet. Ein Tritt auf die Kupplung würde ihn wieder aktivieren. Später, bei Stopp and Go würde ich diese Funktion ausschalten, dann war das echt zu nervig.

Da fiel mir Gregor ein. Gregor war ein alter Kumpel, der früher mal in unserer Firma gearbeitet hatte.

Er arbeitete jetzt immer noch in der Branche, aber für ein anderes Unternehmen, einem Mitbewerber. Das störte uns nicht. Wir waren früher gut miteinander klar gekommen. Irgendwann rief er mich an und wir verabredeten ein Treffen. Wir trafen uns in einem Restaurant, unsere besseren Hälften waren auch dabei. Sie verstanden sich auf Anhieb. Es war klar, dass Gregor und ich uns über die Arbeit unterhalten würden. Wir beließen es bei allgemeinen Dingen. Die beiden Frauen hatten ihre eigenen Gesprächsthemen. So lernte ich Gregors Frau Enissa kennen. Sie kam ursprünglich aus dem Nahen Osten, vermutlich aus dem Iran oder einem Nachbarland. Sie lebte schon sehr lange in Deutschland, sprach akzentfrei deutsch und war bildhübsch. Sie hatte schwarze dichte Haare, die sie kurz trug. Sie hatte einen dunkleren Teint als Westeuropäerinnen, was sie durch geschicktes Make-Up betonte. Als wir abends wieder zu Hause waren, sagte meine Frau: „Enissa sieht wirklich gut aus. Tolle Figur und dieses dichte schwarze Haar. Das möchte ich auch haben.“

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 13252

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben