„War’s bei dir doch heute morgen auch, oder etwa nicht?“
„Woher zum Teufel …?“
„Ich hab dich dabei gesehen. Wollte mich auf’s Klo schleichen, weil ich so dringend pissen musste.“
„Du hast was? Etwa auch, wie ich …“
„Wie du abgespritzt hast? Ja und es hat mir gefallen, das war ja der Wahnsinn pur. Kommt da immer soviel bei dir?“
„Leider ja und es ist mir peinlich. Die Mädels sind mir deshalb immer weggelaufen. Deshalb bin ich letztens auch so zurückhaltend geworden. Ich schäme mich dafür und traue mich kaum … du weißt schon, tut mir leid. Und es macht dir wirklich nichts aus?“
„Zwei Sachen Bastian Arndt. Erstens: Nein, es macht mir nichts aus. Dann gibt es eben Sauerei im Bett. Egal wo du das Zeug hin spritzt oder in die Frau hinein. Dafür kann man was drunter legen. Und zweitens: Basti, du bist echt ein toller Kerl, superlieb und auch total süß. Aber diese ständigen Entschuldigungen sind echt nervig.“
„Ich weiß, du hast es ja schon öfter gesagt. Sorry.“
„Bastian, jetzt bin ich echt ärgerlich. Schon wieder tust du’s.“
Dabei boxte ich ihn echt unsanft in die Seite. Ich hatte einen Rippenbogen getroffen, denke ich. Jedenfalls krümmte er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht und legte sich wortlos halb eingeknickt in eine Sofaecke.
Eine Entschuldigung meinerseits wäre jetzt mit Sicherheit angebracht gewesen. Aber angesichts der gerade erst gesprochenen Sätze fand ich es unpassend. Oder besser, ich traute mich nicht so recht. Stattdessen wollte ich an ihn ran rutschen, mich anlehnen und mich so bei ihm entschuldigen.
„Ne komm lass mich.“, machte er seine Ablehnung dadurch deutlich, dass er mich für seine Verhältnisse recht unsanft zurückschob. Soviel zum Thema: gemeinsam auf der Couch chillen. Das war dann wohl nichts, besser, nichts mehr.
„Ok, dann gehe ich jetzt ins Bett. Versuche mich nicht zu wecken, wenn du nachkommst.“, erklärte ich den Abend, zumindest meinerseits für beendet.
Stand auf und humpelte los. In der Wohnzimmertür drehte ich mich noch kurz um, sah, dass er weiter auf den Fernseher starrte und ging dann doch etwas traurig ins Bett. Das Kopfkissen knüllte ich zusammen, presste mein Gesicht in die weiche Füllung und weinte, bis ich irgendwann eingeschlafen sein musste.
****
Irgendwo im Garten trällerte eine Drossel ihr lautes Lied. Verfluchter Vogel, viel zu früh. Und dann noch die scheiss Sonne, die in den müden Augen schmerzte. Ein Griff zur Seite, dorthin, wo eigentlich Bastian liegen müsste. Leer, kalt, und das Bettlaken ohne jede Falte.
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