Was muss in ihm vorgegangen sein, mich mit dem Typen ficken zu sehen und jetzt hier, wenn ich fast nackt vor ihm herumstolzierte, ja sogar direkt neben ihm geschlafen hatte. Was muss er gefühlt haben, wenn er meine festen Brüste in seinem Rücken gespürt hatte. Was war ich doch für eine egoistische Sadistin. Ich fühlte mich schlecht, schlich wieder an ihm vorbei ins Schlafzimmer und packte meine Sachen.
In meiner Arbeitstasche hatte ich noch leeres Papier, verfasste eine Abschiedsnachricht, in der ich mich für alles bei ihm bedanke und ging mit schlechtem Gewissen zur Arbeit.
Den ganzen Tag hörte und las ich nichts von ihm. Bestimmt hatte ich ihn tief verletzt, das war mir schon klar, als ich den Zettel geschrieben hatte. Aber es ging nicht anders, nur konnte ich nicht unterstellen, dass er verstehen würde, warum ich es einfach tun musste.
Abends ging ich in meine Wohnung und stellte mich darauf ein, wieder alleine zu sein. Und so war es auch die nächsten Tage. Wie vor dem Einbruch, kein Kontakt zu Bastian, der mir schnell zu fehlen begann.
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Zwar begannen wir, also Basti und ich, uns irgendwann wieder zu treffen und schrieben auch wieder ab und an miteinander, aber meistens nutzte ich die Gelegenheiten, um mich bei ihm auszuheulen. Wie blöd es auf der Arbeit gelaufen war, wie schlecht die Restaurants waren, ich denen ich mich mit meinen Dates traf und wie schlecht die Männer waren, die ich dort abcheckte und von denen ich mich auch gelegentlich ficken ließ.
Geduldig hörte er zu, fand tröstende Worte und war wieder der einfühlsame Mann, wie ich ihn kennengelernt hatte. Wohl auch deshalb wurde er zu meinem persönlichen Kummerkasten. Ob er wollte oder nicht, alle meine „Niederlagen“ musste er sich anhören. Das war die Aufgabe, die er für mich zu erfüllen hatte. Aufpassen, zuhören und mitleiden.
Doch bei allem anderen, verdrängte ich die Gedanken an Basti immer häufiger.
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