Ralfs kleine Schwester

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Ralfs kleine Schwester

Ralfs kleine Schwester

Andreas

Ralf verstand zwar, aber verwirrt war er trotzdem. Die Avance seiner Schwester überraschte den jungen Mann, obwohl er naturgemäß nicht abgeneigt war. Petras Wangen glühten bei diesem Thema, das sie augenscheinlich stark beschäftigte. Die junge Frau rieb sich geistesabwesend den Po.

Da Ralf keine Antwort gab, musste sie nachlegen, ihm die Sache noch schmackhafter machen.
„Ich will dir was sagen, Ralf. Damals, als du die Zwanzig Mark aus Papas Geldbeutel gemopst, und deshalb zwei Wochen Hausarrest kassiert hast…“ Ralf sah sie fragend an. „Was meinst du denn?“
„…na ja, ich hab dich bei unseren Eltern verpetzt, weil ich es gesehen habe. Das war fies von mir, weil ich es dir erst hätte sagen sollen. Du hättest das Geld dann zurücklegen können, meine ich.“
Ralf dämmerte, worauf dieses späte Geständnis abzielte. Ein ganz klein bisschen Wut spürte er auch.
Damals durfte er zwei Wochen nicht zum Fußballtraining, was ihn mächtig fuchste. Er sagte: „Du meinst also, dass du ebenfalls eine Strafe verdient hast! Wenn ich es mir so überlege, finde ich das keine schlechte Idee. Lass uns das Ganze unter vier Augen klären.“ Er zeigte auf die Gartenlaube am hinteren Ende des Gartens. Sein Vater hatte sie in mühsamer Kleinarbeit aus Fichtenholz errichtet. Die an eine Blockhütte erinnernde Laube war sein ganzer Stolz. Petras Herz klopfte mehrere Takte schneller. Dass Ralf so schnell einverstanden war – damit hatte sie dann doch nicht gerechnet.
Aber nun gab es kein Zurück mehr, zumal sie viel zu stolz war, um jetzt noch zu kneifen.
„Gut, dann lass uns in Papas Schmuckkästchen weiterreden. Da sollten wir ungestört sein.“
Sie lächelte unsicher, als sie seine Hand drückte. Hand in Hand liefen sie zu der Gartenlaube, die von farbenfrohen Frühblühern umsäumt war.

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