Rechenschaft

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Paul Magallas

Er stellte fest, dass ihn erotische Texte wieder zu fesseln begannen. Früher die heißen Stellen in Büchern oder erotische Literatur, die man sich heimlich zusteckte. „Fanny Hill“ und „Emmanuelle“ waren für ihn Schlüsseltexte gewesen. Wie oft war er in Buchhandlungen mit glühenden Wangen in der entsprechenden Abteilung gestanden, um einschlägige Literatur zu verschlingen. Die größte Sorge war ihm, die körperlich sichtbare Erregung (im Untergeschoss) verbergen zu können und schon gar nicht zu früh oder überhaupt zu kommen. Allein mit sich gab er sich den Wirkungen erotischer Romane hemmungslos hin.  Es gab Zeiten, in denen eine Xaviera Hollander eine Autorin war, der er vertraute. Auch an die „Hochzeitsreise“ von Robert Sermaise hatte er unvergessliche Erinnerungen.
Warum also jetzt wieder die starke Wirkung von Texten?
Weil sie der Vorstellung im Kopf alle Freiheiten lassen?
Weil sich im Kontext von erzählten Geschichten mehr Möglichkeiten auftun als beim immer gleichen Ablauf und in Rollenklischees gefangenen Verhaltensweisen?
Inzwischen wusste einen das Internet auch literarisch auf einschlägigen Portalen reichlich zu bedienen, je nach Geschmack und Anspruch auch mit Texten ‚mit Niveau‘.

In den letzten Wochen waren ihm noch neue Stimulanzien begegnet: Begegnungen, Beobachtungen, Details im Alltag, die ihre Wirkung auf ihn nicht verfehlten:
Morgens ging er den üblichen Weg vom Parkplatz zum Bahnsteig. Er kam an die Treppe. Einige Schritte vor ihm eine unbekannte, jüngere Frau, die die Stufen hinabstieg. Plötzlich stach sie ihm ins Auge: Wie sich ihr lockiges Haar bewegte, wie sie sich die Haare hinters Ohr strich und dabei ein wunderbarer schlanker, hautreicher Hals sichtbar werde. Er hatte Nofretete- Format. Unmittelbar spürte er die Wirkung dieser erogenen Zone. Zu gerne hätte er die Haut dort berührt, gestreichelt, von dort aus durchs Haar gestrichen oder über die Schultern und nach vorne Richtung Brust die Finger ausgeschickt.

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schreibt Huldreich

Lieber Paul Magallas! Schön und nachdenkenswert Ihr Beitrag, hat mich dazu gebracht, zu überlegen, welche Clips mich warum anturnen oder ab, und wie das mit den Pornos überhaupt so ist. Wunderbar dazu: J.C. Ahlers: "Himmel auf Erden" Kapitel übers Internet Liebe Grüsse Ulrich Hermann München

Gedichte auf den Leib geschrieben