Rechtsanwälte küsst man doch

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Rechtsanwälte küsst man doch

Rechtsanwälte küsst man doch

Lovis Wünsche

Seit Monaten arbeitete sie jetzt schon für diesen Mann, doch schien er weder sie noch ihre gute Arbeit jemals zu sehen oder zu beachten. Sie fühlte sich, an jedem ihrer Arbeitstage, immer wie die kleine Praktikantin, die man so gern zum Kaffee holen schickte.
Dabei hatte sie ein abgeschlossenes Jurastudium hinter sich. Sie war mittlerweile 36 und hatte trotz ihres Studienabschlusses und guter Referenzen keine Anstellung als Anwältin gefunden. Der Umzug hatte ihr bisher nur Unglück gebracht… Doch sie wollte nicht aufgeben, schon gar nicht zurückziehen in die Provinzstadt aus der sie kam. Würde sie nur fleißig genug arbeiten, würde sie auch hier noch ihre Chance bekommen.
Einmal hatte sie in seinem Büro vorsprechen wollen um einen Vorschlag zu machen, wie die Archivierung der Altakten besser Hand zu haben sei, doch die Dame im Vorzimmer wies sie mit den Worten, sie solle sich um ihre Arbeit kümmern ab.
Manchmal sah sie ihn zwar bei seinen Rundgängen durch die Bürohalle, aber sie hatte keine Möglichkeit ihn dabei anzusprechen. Wie gern hätte sie ihn angesprochen, zum
Einen um endlich ihren Vorschlag machen zu können, zum Anderen weil sie so neugierig war auf die Stimme dieses gut aussehenden Mannes.
Er musste so Anfang vierzig sein, hatte ganz leicht, metallisch graue Schläfen, ein sehr markantes Gesicht und unter seinem Anzug einen schlanken sportlichen Körper, was sich hin und wieder durch das Muskelspiel seiner Oberarme zeigte.
„Frau Baumgärtner“ riss er sie aus ihren Gedanken. „ Da sie noch hier sind, lassen sie uns doch zu einem kurzen Gespräch in mein Büro gehen. Möchten sie einen Kaffe?“
Wortlos folgte sie ihm durch Halle und Vorzimmer in sein Büro. Es war groß und stilvoll eingerichtet. Dunkle Möbel die im roten Schein der Sonne sehr viel Behaglichkeit ausstrahlten.
„Kaffee?“
„ Ja, bitte.“ Sie setzte sich auf den braunen Ledersessel.
Er reichte ihr eine Tasse und setzte sich auf den Rand seines vollkommen überdimensionierten Schreibtisches.
„Sie machen also schon wieder überstunden? Ich beobachten schon lange ihre Arbeit hier und ich wollte ihnen Mitteilen, dass sie mit ihrer überragenden Leistung Mitarbeiterin des Monats Oktober werden“
Mitarbeiterin des Monats, klar hatte sie sich diese Auszeichnung gewünscht, doch in diesem Moment bedeutete es ihr nichts mehr. Endlich konnte sie mit ihm sprechen, seine Stimme hören und sich in seinen betörenden Augen verlieren.
„Das ist… ähm… sehr nett…“ stammelte sie und nippte verlegen an ihrem Kaffee.
„Auch ihren Vorschlag für die Archivierung habe ich erhalten. Gute Arbeit!“
‚Aber ich habe doch gar nicht…’ Joachim, ihr Boxkollege musste wohl alles aufgeschrieben und ihm als Memo geschickt haben.
Sie spürte, wie sie sichtlich errötete.

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