Regina

Geschichten vom Anfang der Träume

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Regina

Regina

Stayhungry

Atemlos, wimmernd kauerte sie unter ihm. Er zog sich aus ihr, fragte besorgt, wie es ihr gehe, doch sie war nur tief befriedigt, erledigt in wohliger Erschöpfung. Er wusste, er musste schnell den hygienischen Status gewährleisten, bevor bei ihr Ernüchterung eintrat, und anschließend kuschelten sie sich aneinander, ließen den lustvollen Exzess zärtlich ausklingen.
In der Folge wurde diese Art der intimen Vereinigung ein fester Bestsandteil ihres Liebeslebens, das im Übrigen keine anderen Grenzüberschreitungen kannte. Sie kümmerte sich ganz um sich selbst. Egal, ob sie vor ihm kniete oder mit hochgezogen Beinen in der Ecke des Sofas vor ihm lag, war es für ihn ein angenehmes Gefühl und ein wunderbares voyeuristisches Erlebnis, in ihrem Höhepunkt kam er dann mit einigen wenigen Stößen, sie liebte dabei den rücksichtsvollen Biß in Hals und Nacken.

Viermal die Woche bis in die Puppen unterwegs sein - ihre Liebe war eine Freizeitveranstaltung, Pläne, Zukunft, Verantwortung, Familie, das alles war etwas für irgendwann, aber nicht heute. Der Urlaub sollte in die Karibik, nach Tunesien, in die Türkei gehen oder sonst wohin, Hauptsache all inclusive mit dem weltweit gleichen Ambiente, die Auswahl erfolgte allein nach Preis und sofortiger Verfügbarkeit. Sie verbrachten den Tag am Pool und die Nacht in der Mega-Disko, gegen die ihm seine altgediente Hardrockband wie ein Streichquartett erschien. All die wilden jungen Leute waren schön anzusehen in ihrer Ausgelassenheit, doch waren letztlich die konfliktbeladenen lndividualreisen mit seiner Ex in die Toskana und das Roussillion wahre Abenteuerreisen dagegen gewesen.

Ohne Streit entfernten sie sich voneinander, und das Ende ahnte er schon, da wusste sie wohl noch nicht, dass sie gehen würde. Mit der Distanz im Alltag hält aber auch die erotische Faszination nicht unendlich an, und irgendwann hieß es, die Karten auf den Tisch zu legen. Sie war sehr traurig und doch schien es ihm, als wäre sie im Innersten erleichtert, dass er ihr den Abschied ermöglicht hatte. Es war leicht, Freunde zu bleiben, und gelegentlich trafen sie sich auch außerhalb des Büros, um sich ein wenig übereinander auf dem Laufenden zu halten. Aber eine neue Liebe wuchs daraus nicht mehr, ohne dass sie dies bedauern mussten. Sein Nachfolger war ein netter Kerl, mit dem er gut auskam und der schnell begriff, dass er keine Konkurrenz mehr darstellte. Sie waren ein schönes Paar und heirateten nach einigen Jahren sogar.

Irgendwann aber war sie an ihn herangetreten und hatte ihm zugeflüstert: „Wie soll ich ihm nur klar machen, dass ich es gerne, na Du weißt schon, möchte?“

Die Lösung dieses Problems konnte er ihr nun wirklich nicht abnehmen.

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