Dabei sollte ihm der jüngste Bruder Angelas helfen, ein lustiger, draufgängerischer Typ, mit dem er sich auf Anhieb gut verstand. Er hatte seinen Freund den Taxifahrer, der sie vom Busbahnhof abgeholt hatte, überredet, ihnen für einen geringen Preis den ganzen Tag zur Verfügung zu stehen. Es gäbe viele schöne Dinge zu sehen und er wisse ja nun, was sein „Bruder“ aufnehmen wolle, er war übergangslos vom friend zum brother aufgestiegen. Er sei ein sehr guter Führer, weil es sein Traum sei, eines Tages Fremdenführer zu werden oder Animateur in einem Club und er schon viel geübt habe, aber auch noch viel lernen müsse. Bevor sie losfuhren, schärfte Angela allen Dreien ein, rechtzeitig am späten Nachmittag zurückzukommen, weil ihre Eltern ein kleines Fest geplant hätten. Was für ein Fest, wollte er wissen, aber sie gab sich zurückhaltend, er werde es schon sehen. Auf sein Drängen sagte sie nur, ein Abschiedsfest, was denn sonst. Auch dieser Tag war aus fotografischer Sicht höchst erfolgreich. Der Bruder hatte nicht zu viel versprochen. Er führte ihn zu einsamen Orten, zeigte ihm den örtlichen Markt, fuhr an der Schule vorbei, machte ihn mit einigen originellen Menschen bekannt. Er sah eindrucksvolle und stimmungsvolle Szenen und hatte genügend Zeit, die Kamera einzustellen und das Beste aus den Begegnungen zu machen. Leider etwas spät, die Sonne stand schon sehr schräg, fragte er den Bruder, ob er auch einige Mädchen kenne, die sich gerne fotografieren ließen. Der Bruder druckste erst etwas herum, es schien ihm fast peinlich zu sein, aber dann fuhren sie zu einem abgelegenen Haus, wie sich rasch herausstellte, das örtliche Bordell. Es war noch hell und kaum Betrieb, aber der Bruder und der Taxifahrer wurden mit Hallo begrüßt. Doch als er bat, Bilder machen zu dürfen, wollte keine sich vor die Kamera stellen, alle lehnten entschieden, ja geradezu empört ab und so musst er unverrichteter Dinge wieder von dannen gehen.
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