Doch als der Priester, der nun vor ihnen stand und seine Rede beendet hatte, einen Finger in das Blut tauchte und zwei ineinander verschlungene Kreise auf Angelas Stirn malte und sich dann anschickte, dasselbe auf Zeichen auch auf seiner anzubringen, hätte er seine Drohung am liebsten doch wahr gemacht und wäre gegangen, wenn ihn nicht Angela festgehalten hätte und ihn eindringlich bat zu bleiben und noch einmal versicherte, es sei jetzt gleich überstanden und alles sei harmlos. Und das war auch so, zumindest war die seltsame Zeremonie zu Ende. Der Priester sagte kein Wort mehr, besprühte nur noch einmal zum Abschluss die Leute mit seinem Palmwedel, dann ging er, gefolgt von seinem Gehilfen, der den Stock mit dem daran gebundenen Strick und dem Ziegenkopf mitnahm. Die Gäste klatschten, die Band begann wieder zu spielen und Angela zog ihn auf die Tanzfläche, die eben noch eine Richtstätte gewesen war. Der Körper der Ziege war nicht mehr da, er sei schon in der Küche, meinte Angela, die auf einmal wieder ganz entspannt und freundlich war. Zum Zeichen, dass er sich richtig verhalten habe, gab sie ihm vor allen Leuten einen langen Kuss auf seinen Mund und strahlte ihn an. Alle sahen es und alle klatschten Beifall. Dann spielten die Musiker eine Art Tusch und stimmten ein Lied an, das sehr bekannt sein musste, dann die Gäste stimmten ein und sangen laut mit, am lautesten sang Angela. Alle waren selig, alle tranken eifrig Bier aus Dosen und das unterbrochene Essen wurde fortgesetzt und irgend wann sagte ihm Angela, das Fleisch hier sei die Ziege und er solle es sich schmecken lassen, sie sei sehr köstlich, was auch stimmte, aber schmecken wollte es ihm doch nicht mehr so recht. Denn eine andere Sache war ihm auch noch sehr seltsam vorgekommen. Kaum dass sie den Tanz, der diesem Ritual gefolgt war, beendet hatten, kamen der Vater und die Mutter Angelas, dann ihre Geschwister und schließlich fast alle Anwesenden zu ihnen, gaben ihnen die Hand, umarmten sie, redeten, wieder für ihn unverständlich, auf sie ein.
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