Die Reise

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Die Reise

Die Reise

Yupag Chinasky

Angela weinte und als er wieder ein ungutes Gefühl bekam und nun endlich wissen wollte, was hier los sei, was hier gespielt würde, was man mit ihnen beiden gemacht habe, wiederholte sie nur, das sei eben ein Abschied auf afrikanisch und er solle nicht weiter nachdenken. Spät in der Nacht, als fast alles aufgegessen und das Bier zur Neige gegangen war und auch die letzten Gäste den Hof verlassen hatten, bedrängte er Angela noch einmal, ihm die ganze Zeremonie zu erklären, vor allem die Sache mit den Blutkringeln auf der Stirn, die immer noch da waren. Aber sie gab auf einmal vor, schrecklich müde zu sein, obwohl sie eben noch ganz munter war, rannte geradezu in das Schlafzimmer und als er ihr, etwas verunsichert folgte, nachdem er noch gepinkelt und sich das Blut abgewaschen hatten, lag sie schon im Bett, von seinem Platz weggedreht und schien bereits fest zu schlafen, denn sie regierte weder auf seine Worte noch auf sein leichtes Schütteln an ihrer Schulter. Er war etwas sauer, hätte zumindest einen Kuss oder ein paar Zärtlichkeiten erwartet, wenn auch keinen erneuten Sex, aber da er nun selbst merkte, wie schläfrig ihn das reichlich genossene Bier und das üppige Essen gemacht hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als auch zu schlafen. Eine Weile noch grübelte, mit welchem Aufwand man hier schon nach einem kurzen Besuch verabschiedet wurde, dann war auch er im Nirwana angekommen.

Es schien, dass an diesem denkwürdigen Abend alle Gefühle verbraucht worden waren, denn als am nächsten Morgen das Taxi kam, natürlich wieder das des Freundes ihres Bruders, um sie zum Busbahnhof zu bringen, waren nur noch der Vater und die Mutter da und die Schwester, die für die Kinder sorgte. Die Kinder selbst waren in der Schule. Er drängte Angela, ihren Eltern für den ganzen Aufwand ein paar Scheine zu geben, die sie dann auch bereitwillig annahmen.

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