Die Reise

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Die Reise

Die Reise

Yupag Chinasky

Aus lauter Angst wagte er es nicht, einfach wieder zu gehen, obwohl seine Vernunft ihn einen Idioten nannte. Als er dann doch ging, war es so, als sei er bei ihr gewesen. Er hatte nur ein schlechtes Gewissen, so als ob er seine Freundin, die sie ja gar nicht mehr war, betrogen hätte.

Er litt unter diesen unerklärlichen Vorkommnissen, aber das war noch nicht alles, was sich verändert hatte. Eine andere Sache gab ihm fast noch mehr zu denken. Als er nach seinem mysteriösen Afrikatrip zum ersten Mal wieder eine mehrtägige Fotoreise unternahm, voller Zweifel, wie er die Zeit ohne diese „verdammte Hexe“, so nannte er inzwischen Anita für sich, überstehen könne, beschloss er eine andere Frau aufzusuchen. Er erkundigte sich nach dem Rotlichtmilieu und geriet auch an eine ganz nette, sympathische Asiatin mittleren Alters. Zu seinem eigenen Schrecken und zur Ratlosigkeit seiner Gefährten war es ihm unmöglich, auch nur die kleinste Regung, geschweige denn Erregung zu zeigen. So sehr sie sich auch abmühte, so sehr auch er sie wollte, es geschah nichts, sein Schwanz blieb schlaff, seine Wollust war nicht vorhanden und konnte deswegen auch gar nicht aufkeimen. Nach längerem, vergeblichem Bemühen, blieb ihm nichts anderes übrig, als völlig frustriert, entnervt und unbefriedigt, wieder zu gehen. Dieses Unvermögen wiederholte sich, als er am letzten Tag seiner Reise, eine andere Frau aufsuchte, wieder musste er unerledigt von dannen ziehen. Es war ein regelrechter Fluch, der seit dieser ominösen Abschiedsfeier auf ihm lastete und er dachte schon daran, einen Psychiater aufzusuchen, fürchtete aber, sich mit seiner Geschichte lächerlich zu machen. Wer glaubt in unserer aufgeklärten Zeit schon an einen Fluch oder an die langandauernde Wirkung eines Abschiedszaubers. Dafür beschloss er, mit Anita zu reden, selbst wenn sie nicht wollte oder sich dumm stellte.

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