Die Reise

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Die Reise

Die Reise

Yupag Chinasky

Warum sollte er sich im Übrigen sträuben, ein Opfer der globalen Umverteilung zu werden, einer Umverteilung, die sich inzwischen angebahnt hatte und der keiner mehr entgehen würde. Er sei bereit zu zahlten, sagte er schließlich. Anita wollte alles in bar und sagte auch, dass sie dann sofort abreisen würde, zurück in ihre Heimat, weg aus seinem Leben und er bestimmt keine Probleme mehr haben würde.

 

Beim nächsten Besuch brachte er das Geld mit und Anita erzählte ihm nun auch den Rest der Geschichte. Das Abschiedsessen zu bestellen war kein Problem, der Metzger und Voodoo-Priester war der örtliche Mann für alles, Arzt, Priester, Apotheker, Standesbeamter, Bestatter, je nachdem, was gerade gebraucht wurde. Er inszenierte eine Art Hochzeit, besser gesagt eine Verlobung. In diesem Glauben waren auch ihre Eltern und die Anwesenden geblieben, deswegen ihre große Freude und ihre Glückwünsche. Ohne diesen Trick hätte sie im Übrigen nie erreicht, dass sie beide im Schlafzimmer ihrer Eltern übernachten durften. Es wäre für ihre Eltern eine Sünde gewesen, wenn ihre Tochter mit einem fremden Mann dort geschlafen hätte, aber als Verlobte war es natürlich kein Problem. Im Gegenteil, die Eltern waren überzeugt, dass dieser Ort eine magische Wirkung auf das junge Paar habe, denn sie selbst hatten fast ein Dutzend Kinder dort gezeugt, die aber nicht alle überlebt hatten. Dieser magische Zauber würde zweifellos auf ihre Tochter übergehen, auch wenn sie, zum Leidwesen ihrer Eltern keine Jungfrau mehr war, aber sie waren etwas beruhigt, als sie ihnen versichert hatte, dass ihr Verlobter sie entjungfert hatte und dass er der einzige Mann war, mit dem sie schon ein paar Mal geschlafen habe, die Sitten im Ausland seien eben ein bisschen anders als in der Heimat. Dass ihr Verlobter wesentlich älter war, als sie selbst, habe wiederum keine Rolle gespielt, das war für afrikanische Verhältnisse normal.

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