Als sie aufwachte, begriff sie erst langsam, wo sie war. Der Raum war fremd, die Luft schwer, ihr Kopf dröhnte. Dann sah sie auf die Uhr - und die Realität schlug ein wie ein Peitschenhieb.
Noch zwei Stunden bis zum Turnier.
In Panik sprang sie auf, suchte ihr Kleid, fand es zerknittert in einer Ecke und zog es hastig über. Sie rief ein Taxi über die Hotelrezeption und stolperte die Treppe hinunter.
Draußen auf dem Parkplatz, fuhr der Reporter hoch.
Er hatte gewartet.
Er hatte gehofft.
Er hatte geahnt, dass sie ihm eine Geschichte liefern würde, wie er sie sich nicht besser hätte ausmalen können.
Als das Taxi vorfuhr, griff er automatisch zur Kamera.
Der Augenblick war ein Geschenk.
Sophie taumelte, die Haare wirr, das Kleid verrutscht noch barfuß in dünnen Strümpfen, die von der langen Nacht gezeichnet waren. Der Kontrast hätte größer nicht sein können: die strahlende Favoritin - und dieses Bild der völligen Entgleisung.
Klick.
Klick.
Klick.
Jeder Moment brannte sich auf die Speicherkarte.
Dann folgte ihrem Taxi.
Sophie zahlte den Fahrer vor ihrer Wohnung und bat ihn zu warten. Drinnen schluckte sie zwei Aspirin, doch sie spürte, dass das nicht reichen würde. Ihre Hände zitterten, ihr Magen rebellierte.
Sie suchte nach dem Pulver, das sie immer „Sternenstaub für Engel“ genannt hatte - ihr verzweifelter Versuch, einen klaren Kopf zu bekommen, wenn alles drohte zusammenzubrechen.
Eine halbe Stunde später stieg sie wieder ins Taxi.
Unterwegs telefonierte sie mit ihrem Trainer, der bereits nervös auf sie wartete.
Als sie auf dem Turnierplatz ankam, blieb dem Reporter die Luft weg.
Sophie stieg aus wie eine andere Person - professionell, makellos gekleidet in weißer Reithose, polierten Stiefeln, sauberem, strengem Knoten.
Reiterball der Verführung
Sophie von Wolfenstein - Teil 4
16 28-43 Minuten 0 Kommentare
Reiterball der Verführung
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