Reiterball der Verführung

Sophie von Wolfenstein - Teil 4

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Reiterball der Verführung

Reiterball der Verführung

Marvin Swan

Sie sah aus wie die Sophie, die alle Leute kannten: diszipliniert, konzentriert, elegant - nicht wie die übermüdete junge Frau, die er zwei Stunden zuvor fotografiert hatte. Als wäre die Nacht davor ein Traum.
„Unglaublich …“, murmelte der Reporter und hob automatisch die Kamera an sein Auge.
Die Welt würde niemals ahnen, was vor wenigen Stunden geschehen war. Er wusste, was niemand sonst wusste: Hinter dieser Fassade war Chaos.
Sophie sah ihren Trainer am Rand des Geländes und ging schnellen Schrittes auf ihn zu. Ihr Gesicht war angespannt, die Haut blass, doch sie hielt sich perfekt aufrecht. Niemand außer dem Reporter bemerkte, wie zittrig ihre Hände waren.
Die Parcoursbegehung meisterte sie konzentriert, auch wenn ihre Schritte etwas langsamer wirkten als sonst. Ihr Blick glitt über die Hindernisse, während sie innerlich jeden Sprung durchging.
Doch da war dieses Ziehen im Bauch, dieses dunkle Pochen hinter den Schläfen.
Doch beim Aufsitzen kam der erste Schwächeanfall. Sie kämpfte gegen die Übelkeit, gegen das Zittern, gegen die Leere in ihrem Kopf. Sie musste funktionieren.
Beim Abreiten wurde es jedoch schwieriger. Die Umgebung verschwamm kurz, als sie antrabte. Der Rhythmus ihres Pferdes vibrierte in ihrem schmerzenden Kopf, und jedes Mal, wenn sie aufstand und wieder in den Sattel sank, fühlte es sich an, als ob der Boden unter ihr wegrutschte.
Ihr Trainer rief etwas - sie hörte nur den Klang, nicht den Sinn.
In der Startaufstellung war es still.
Das Publikum sprach gedämpft, Pferde schnaubten, irgendwo klapperte Metall gegen Holz.
Sophie wartete die Hände an den Zügeln, und ihr Körper begann gegen sie zu rebellieren.
Die letzten Tage - zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol, zu viel Druck - rasten wie ein Film durch ihren Kopf. Ein kurzer, kalter Schweißausbruch ließ sie frösteln.

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