Er argumentierte, dass jetzt die Zeit des Mitgefühls sei, der sachlichen Unfallberichte und der neutralen Meldungen über den schweren Sturz einer hochbegabten Reiterin.
Doch am nächsten Tag, wenn die Öffentlichkeit glaubte, alles verstanden zu haben, wenn der erste Schock abgeklungen war - dann, so wusste er, würde seine Geschichte einschlagen wie ein Donnerschlag.
Menschen, die sich betrogen fühlten, lasen am gierigsten.
Ein stilles, fast unmerkliches Lächeln huschte über sein Gesicht, während er sich an den Schreibtisch in der Redaktion setzte. Draußen warteten seine Kollegen gespannt, denn es war klar, dass diese Story die Titelseite füllen würde.
Er tippte den letzten Satz:
„Alkohol, Drogen, Machtmissbrauch – die Schattenseiten des Reitsports.“
Dann drückte er auf Senden.
Der Artikel war draußen.
Und morgen würde er das gesamte System erschüttern.
Für einen Moment lehnte er sich zurück und betrachtete die Fotos, die er von Sophie gemacht hatte. Einige waren kompromittierend, andere verwundbar, manche schlicht berührend.
Er hätte sie verwenden können, um ihre Karriere vollständig zu zerstören.
Er tat es nicht.
Etwas an ihr - vielleicht die stille Verletzlichkeit, vielleicht ihre Entschlossenheit trotz des Chaos - hatte ihn beeindruckt. Er wählte jene Bilder, die die Wahrheit erzählten, ohne sie zu demütigen.
Er wusste, dass das nichts an der Schwere des Artikels änderte. Aber es war seine persönliche Form von Fairness.
Als Sophie die Zeitung am nächsten Tag aufschlug, sprang ihr die Schlagzeile sofort ins Auge:
„Alkohol und enthemmte Ausschweifungen: Der wahre Alltag im Reitsport.“
Darunter weitere Zeilen, die sie kaum zu Ende lesen konnte.
Das Papier zitterte in ihren Händen, während Tränen die Druckerschwärze verschwimmen ließen.
Es gab kein Zurück.
Keinen Ausweg.
Reiterball der Verführung
Sophie von Wolfenstein - Teil 4
18 28-43 Minuten 0 Kommentare
Reiterball der Verführung
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