Kein Missverständnis, das man hätte aufklären können.
Die Presse forderte ein hartes Durchgreifen. Die Kommentarseiten überschlugen sich.
Und Sophie wusste schon in diesem ersten Augenblick: Das hier würde nicht gut für sie enden.
Der Verband zeigte sich öffentlich bestürzt und betonte, man habe keine Möglichkeit gesehen, den Vorfall zu vertuschen. In Wahrheit jedoch nutzte man Sophies Sturz, um das eigene Image aufzupolieren. Ihr Fall wurde zum Beweis dafür, wie konsequent man angeblich gegen Fehlverhalten vorgehe.
Man deklarierte sie als Einzelfall, sperrte sie für eine lange Zeit von allen Turnieren aus und erkannte ihr zuletzt errungenen Titel ab - obwohl keinerlei Beweise für Verstrickungen oder Einflussnahme vorlagen.
Der Richter, der am Vortag noch in den Schlagzeilen aufgetaucht war, wurde umgehend ausgeschlossen. Gleichzeitig führte der Verband strenge Alkoholkontrollen ein und präsentierte die Maßnahmen stolz der Öffentlichkeit.
Es war das letzte Mal, dass man Sophie von Wolfenstein auf einem Turnierplatz sah.
Einige Tage später saß Sophie mit einem Gipsbein vor dem Schreibtisch des Direktors. Diesmal war sie es, die um ein Gespräch gebeten hatte.
Ihre Kleidung war schlicht unauffällig, wieder dem Schulalltag angemessen – als versuche sie, einen Teil ihrer alten Identität zurückzuholen.
„Sie haben sicher aus der Presse erfahren, was passiert ist?“, begann sie zaghaft.
Der Direktor nickte. „Ja, aber was hat das mit uns zu tun?“
Sophie schluckte schwer. Es fiel ihr sichtlich schwer, um Hilfe zu bitten, doch sie sah keinen anderen Ausweg mehr.
„Eigentlich gar nichts“, sagte sie leise. „Aber wenn ich meinen Abschluss nicht schaffe, habe ich mit meiner Dummheit mein Leben ruiniert.“
Ihre Stimme zitterte, und sie senkte den Blick – nicht vor ihm, sondern vor sich selbst.
Reiterball der Verführung
Sophie von Wolfenstein - Teil 4
31 28-43 Minuten 0 Kommentare
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