Der Direktor lehnte sich zurück, betrachtete sie einen Moment lang in stiller Ruhe und sagte dann mit sanfter Entschlossenheit:
„Dann erzählen Sie mir alles. Ohne Beschönigungen. Und ich verspreche, wir suchen gemeinsam nach einer Lösung.“
Zum ersten Mal seit langer Zeit redete Sophie wirklich offen. Sie sprach über den Druck, die Partys, den Alkohol, die Erschöpfung. Über den Sturz, den Artikel, den Verlust ihres Stipendiums. Über die Angst, völlig die Kontrolle verloren zu haben.
„Ich hätte noch ein zweites Stipendium“, sagte sie schließlich. „Aber nur, wenn ich einen bestimmten Notendurchschnitt halte – und den werde ich nicht mehr schaffen. Wenn Sie mir jetzt keine Chance geben, ist alles vorbei.“
Der Direktor hörte geduldig zu, stellte einige Fragen, ließ sie ausreden. Dann faltete er die Hände und sah sie lange an.
„Ich mache Ihnen ein Angebot“, begann er. „Sie melden sich freiwillig bei einem Entzugskurs an und lassen sich das bestätigen. Außerdem helfen Sie in Ihrer Freizeit Schülern, die Unterstützung brauchen. Und selbstverständlich erwarte ich, dass Sie in den nächsten Monaten wieder die Leistung bringen, die wir von Ihnen kennen.“
Sophie nickte sofort. „Das ist kein Problem. Ich gebe mein Bestes. Dieses Mal wirklich.“
Er hob eine Augenbraue. „Es fehlt noch etwas.“
Sie sah ihn verwirrt an.
„Während andere Schüler gelernt und sich engagiert haben, haben Sie getan, was Sie wollten – und dabei sogar Geld verdient. Würde ich Sie einfach so davonkommen lassen, wäre das eine ungerechte Belohnung, die ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren könnte.“
Sophie senkte beschämt den Blick.
Er hatte recht. Und sie wusste es.
„Wie viel haben Sie in der Zeit verdient, in der Sie die Schule vernachlässigt haben?“, fragte er ruhig.
„Sie meinen … an Preisgeldern?“
Er nickte. „Eine ungefähre Summe reicht.“
Reiterball der Verführung
Sophie von Wolfenstein - Teil 4
31 28-43 Minuten 0 Kommentare
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