Rita

8 4-7 Minuten 0 Kommentare
Rita

Rita

Michael Müller

Irgendwann legte er seinen Arm um ihre Schultern, fühlte ihr Zögern ehe sie dem sanften Druck nachgab und sich an ihn schmiegte.
Nach dem Ende der Darbietung saßen sie noch lange an dem Tisch, waren dann alleine in dem Raum. Suchten nach Gesprächen, wollten etwas Ausdrücken das sie nicht wagten zu benennen. Redeten über Themen denen nur jetzt, an diesem Abend ihre Aufmerksamkeit nicht wirklich gehörte.
"Ich fahre jetzt," sagte er gegen zwei Uhr nachts und nachdem Moni schon mehrmals einen die beiden zu ihren Aufbruch auffordernden Blick in den kleinen Veranstaltungsraum geworfen hatte.
"Ich will dich nach Hause bringen," fügte er zu.
"Ich will nicht nach Hause. Nicht heute nacht. Nicht jetzt.,"
"Komm' mit mir," bat er. Flüsterte, war verstört über das eben gesagte. Sie schüttelte den Kopf, senkte ihren Blick.
"Ich kann nicht, bin nicht gut für solche dinge. Ich kenne dich kaum, brauche noch etwas Zeit."
Er nahm ihre Hand. Diese war heiß, feucht.
"Ich habe ein Gästebett."
"Ich kann in einem eigenen Bett schlafen?"
"Wenn du es so willst, ja."
Fast neunzig Minuten dauerte die gemeinsame Autofahrt. Fast neunzig Minuten hielt sie ihre Augen geschlossen, sah ihn nur hin und wieder kurz an. Kein Wort wurde in dieser Zeit gewechselt. Auch seinem Verlangen ihre Hand zu berühren gab er nicht nach.
Er hatte das Gästebett im Wohnzimmer für die Nacht gerichtet und sie standen einander gegenüber. Seine Hände auf ihren Schultern zog er sie sanft an sich, barg sein Gesicht in ihrem Haar, roch darin den zarten Duft von Jasmin. Sie hob ihre Gesicht dem seinen zu und er verbarg ihre bebenden Lippen unter seinem Mund, fühlte nun den Druck ihrer Hände auf seinem Rücken.
"Komm' mit," seine Stimme bebte.
Im Schlafzimmer, vor dem Bett stehend, bat sie:
"Lösch' das Licht."
Die schmale Sichel des Mondes war durch die Scheibe des Fensters zu sehen, sandte schwaches, weißes Licht in den Raum, beleuchtete ihren nackten Körper.
Sie lag neben ihm. Er erforschte ihren Körper, fand weiche runde Hügel, eine moosige Stelle, ein feuchtes Tal. Trank neuen jungen Wein aus einer heißen Quelle und pochte mit seinem Stab an die Pforte eines Tempels.
"Bitte nicht. Noch nicht. Nur, noch nicht," bat sie.
Sie lagen Seite an Seite, aneinander geschmiegt, zarter Jasmin duft umhüllte Beide als sie schliefen. Als sie sich am nächsten Tag trennten, er dem abfahrenden Zug nachsah der Rita in die Stadt zurück brachte, wusste er: es war noch nicht.
Nur, noch nicht.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 5718

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben