Das hätte er aber lieber lassen sollen. Ohne dass der Ansatz einer Bewegung erkennbar ist, packe ich sein Handgelenk mit beiden Händen, tauche unter seinem Arm hindurch, und bevor er noch weiß, was passiert ist, habe ich ihn bäuchlings auf den Tresen gedrückt. Der Typ ist viel zu perplex, um sich zu wehren, aber das hätte auch wenig Sinn, denn ich habe seinen rechten Arm im Polizeigriff hochgedrückt.
„Entschuldigung, ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich seit meinem achten Lebensjahr Judo betreibe, und seit einigen Jahren Selbstverteidigungskurse gebe. … Ich werde sie jetzt loslassen, und dann werden sie ganz ruhig zu ihren Kumpels zurückgehen, ist das klar?“, raune ich gefährlich leise, „ansonstenrufe ich die Polizei und zeige sie an, weil sie die Dame belästigt und mich angegriffen haben, ist das klar? … Und glauben sie mir, ich habe gute Kontakte zur hiesigen Polizei, da ich regelmäßig zusammen mit ihnen Anti-Aggression-Trainings gebe.“ Gut, das Letzte ist gelogen, aber das braucht der Typ ja nicht zu wissen.
Vorsichtig gebe ich seinen Arm frei, während ich einen Schritt zurücktrete. Der Typ dreht sich, sein schmerzendes Handgelenk reibend, zu mir um. Seine Augen funkeln wutentbrannt, am liebsten würde er mir ins Gesicht springen. Aber zumindest den Fehler begeht er nicht, stattdessen schleicht er mit eingezogenem Schwanz davon. Erst jetzt, wo ich wieder entspanne, bemerke ich, dass mich das ‘Girl from Ipanema‘ ungläubig anstarrt, und auch der Barkeeper mit drei Flaschen im Arm zurückgekehrt ist.
„Sorry, dass es solche Typen gibt, und sie nicht einmal ungestört ihren Wein hier trinken können“, zucke ich mit den Schultern, „aber ich glaube, sie sollten jetzt erst einmal Ruhe haben.“
„Danke, ich heiße übrigens Claudia, und gerne per Du, wenn’s recht ist.
Ritterliche Hilfe für eine Lady
Barbesuch - Teil 1
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Ritterliche Hilfe für eine Lady
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