Riverboat

7 7-12 Minuten 0 Kommentare
Riverboat

Riverboat

A. David

Lennie war noch einmal eine Stufe tiefer. Er hatte ebenfalls im Rumpf des Schiffes einen Verschlag, in dem er seine wenigen Habseligkeiten unterbringen konnte. Eigentlich war es der Heizungsraum, in dem er für die Beschickung des Ofens zuständig war. Dort lag auch immer ein großer Kohlenberg oder große Holzkloben, je nachdem, was verfügbar war. Wenn durch eine große Luke Kohle gefaßt wurde, staubte es entsprechend, auch wenn die Kohle vorher mit Wasser benetzt wurde.

Wenn Lennie den Ofen befeuerte, mußte er für einen Moment die Klappe öffnen, ähnlich wie der Heizer einer Dampflok das tun mußte. Obwohl der Rauch nach oben durch einen Schornstein abgeleitet wurde, gelangte immer etwas Qualm in sein „Wohnzimmer“. Dazu war die Arbeit schweißtreibend. Und die stählerne Welle, die ebenfalls durch den Heizungsraum lief, sonderte Ölgeruch ab, vor allem wenn der Maschinist dieses wichtige mechanische Teil frisch geschmiert hatte. Wenn das Schiff fuhr, drehte sich auch die Welle. Lennie mußte aufpassen, ihr nicht zu nahe zu kommen. Sie drehte sich schnell und weite Kleidungsstücke konnten sich verfangen und das Ding war auch ziemlich heiß. Nach heutigen Maßstäben wäre so eine Konstruktion ohne Abdeckung natürlich nicht mehr erlaubt.

Im Winter hatte es Lennie in seinem Verschlag schön warm, im Sommer war es dafür unmenschlich heiß und stickig.

Lennies Reich war etwa 14 qm groß; ein Spind war hier, der seine wenigen Habseligkeiten aufnahm, und ein kleines Waschbecken, das aber natürlich nicht über fließendes Wasser verfügte, sondern mit Wasser aus einem Eimer gefüllt wurde. Die Notdurft wurde an Deck an einer bestimmten Stelle über die Planke entrichtet. Bei der Gelegenheit erlangte die Frau des Captains einen Blick auf Lennies Schwanz und war begeistert. So kam es, dass sie ab und an bei ihm in seinem Verschlag vorbeischaute und es sich kurz aber heftig von ihm besorgen ließ. Ihr Mann wähnte sie in der Kajüte bei der Buchführung.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 5863

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben