Riverboat

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A. David

In diesem Moment wurde die Maschine gestartet und die Welle begann, sich zu drehen. Der Schal glitt zunächst über die glatte Oberfläche der rohrförmigen Welle, als sollte diese poliert werden. Lennie schrie “Mach mich los!“ und Sally stürzte zu ihm hin. Voller Panik versuchte sie, die Knoten zu lösen, die sie nur leicht geschlungen hatte, aber durch die Drehbewegung hatten sich diese gefestigt. Sie konnte sie nicht von Hand lösen. Die Welle drehte sich immer schneller. Sally suchte nach einem Messer, wurde aber nicht fündig. Sie fischte nach ihrer Handtasche, um dort eine Feile oder etwas anderes spitzes zu entnehmen. An einer kleinen Unebenheit in der Welle verfing sich der Stoff plötzlich und begann, sich zu verdrehen und mit jeder Umdrehung ein Stoffknäuel zu bilden, das immer größer wurde. Lennie schrie, dass sie ihn losmachen sollte, aber Sally hatte keine Ahnung, wie. Sie entdeckte in dem Holzvorrat eine Art Stock; sie öffnete den Ofen, hielt den Stock in die Glut, bis das Ende Feuer gefangen hatte. Wie mit einer Fackel ging sie zu Lennie zurück und versuchte, den Seidenschal in Brand zu setzen, um damit die Fessel zu lösen. Aber es war zu spät. Der Schal verfing sich, Lennie wurde brutal nach hinten gezogen. Unerbittlich drehte sich die Welle weiter, seine Arme drohten ausgerissen zu werden. Solche Schmerzen hatte er noch nie erlebt. Arme und Handgelenke brachen, die Arme wurden aus der Schulter gekugelt. In Todesangst kollabierte sein Kreislauf, dann setzte sein Herz aus. Innerhalb von Sekunden war Lennie tot. Sally hatte während des Bürgerkrieges als Krankenschwester gearbeitet. Sie wußte, wann jemand das Zeitliche gesegnet hatte. Bei Lennie war das der Fall. Fassungslos stand sie neben der Leiche, als es plötzlich an der Tür klopfte. Nach ein paar Sekunden wurde sie geöffnet und der Maschinist trat ein. Er sah den toten Lennie, sah seine gefesselten Hände und die nackte Sally mit einem brennenden Stock. Er erfaßte die Situation, zog sein Klappmesser aus der Hosentasche und durchtrennte den Schal. Er nahm Sally den brennenden Stock aus der Hand und warf ihn in den Ofen. Der Maschinist baute sich vor Sally auf. „Ich denke, Sie sollten nicht hier sein. Wir müssen den Vorfall melden. Der Captain wird nicht sehr erfreut sein. Wenn die Polizei kommt, bedeutet das Stillstand und damit Arbeitsausfall. Und Sie sind eine Zeugin. Oder haben Sie Lennie mit Absicht umgebracht? Sie werden einiges zu erklären haben. Wir gehen zum Captain. Ziehen Sie sich an.“

Sally war natürlich aufgefallen, dass er seinen Blick nicht von ihr abwenden konnte. „Können wir uns nicht anders einigen?“ fragte sie. „Vielleicht können WIR es ja wie einen Unfall aussehen lassen und ich gehe bei nächster Gelegenheit unbemerkt von Bord.“ Der Maschinist kam näher und öffnete seine Hose. „Ich denke, wir werden einen Weg finden. Hast Du auch noch etwas Bargeld dabei?“

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