Rosi und der Witwer

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Rosi und der Witwer

Rosi und der Witwer

Sven Solge

Bei Rosi sträuben sich die Nackenhaare, als sie die Stimme hörte. Nicht, dass sie unangenehm gewesen wäre, ganz im Gegenteil. Der tiefe Bass schien in ihrem Gehörgang Vibrationen auszulösen, der bis in ihr Innerstes vordrang.

„Ich würde gerne wissen, wie alt sie sind, sie klingen für mich noch sehr jugendlich? Und was für Reverenzen sie haben?“, fragte diese betörende Stimme, sodass Rosi sich zusammen reißen musste.

Sie erzählte ihm alles. Auch von ihren vergeblichen Bewerbungen und war sich sicher, dass sie gleich wieder eine Absage bekommen würde. Doch sie sollte sich täuschen.

„Könnten sie am kommenden Samstag zu einem Vorstellungsgespräch kommen? Ich möchte ihnen meine Kinder vorstellen, denn die sollen mitentscheiden. Meine Tochter Viktoria ist elf und mein Sohn Hannes ist dreizehn. Ein schwieriges Alter und da ihre Mutter vor gut einem Jahr bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, fehlt ihnen die weibliche Hand. Ich hoffe sie trauen es sich zu?“

Sie verabredeten sich für den Samstagnachmittag um 15 Uhr.

Als Herr von Grachenstein das Gespräch beendet hatte, schaute Rosi noch minutenlang auf ihr Telefon. Erst das Piepen des Hörers riss sie aus ihren Gedanken.

Auf was würde sie sich da einlassen? Auch wenn ihr die Stimme wohlig durch die Glieder gefahren war, so konnte man davon nicht auf die Person schließen.

Es waren noch drei Tage und Rosi wurde immer unruhiger und nervöser. Es fühlte sich an, als wenn sie vor der wichtigsten Klausur ihres Lebens stand und im Grunde war es ja auch so. Doch dann gab sie sich einen Ruck. Was hatte sie schon zu verlieren. Schlechter als die Konkurrentinnen, von denen er gesprochen hatte, war sie auch nicht. Einzig ihre Erfahrung konnte ein Hinderungsgrund sein, aber das konnte sie mit Fleiß und einer schnellen Auffassungsgabe ausgleichen.

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schreibt Fritz850

Eine sehr schöne Geschichte. Das ist so schön und gefühlvoll aber auch unterhaltsam erzählt, die schreit ja förmlich nach einer Fortsetzung.

Gedichte auf den Leib geschrieben