Aus den Augenwinkeln sah Rosi plötzlich, wie Hannes sich ein Stück Kuchen in den Mund schob. Auf einmal schien er doch Hunger zu haben, denn im null Komma nichts hatte er das Stück aufgegessen. „Darf ich aufstehen?“, fragte er seinen Vater und als der nickte schob er seinen Stuhl zurück und war wenig später im Flur verschwunden.
Rosi schien das der Moment zu sein, um mit Hannes kurz alleine zu sprechen. Sie nickte kurz Herrn von Grachenstein zu: „Bin gleich zurück!“
Hannes war schon auf der Treppe zum Obergeschoß, als Rosi ihn stoppte. „Hannes einen Moment bitte!“
Er hielt sofort an und schaute sie etwas überrascht an.
„Hannes, falls dein Vater und ihr möchtet, dass ich euch hier im Haushalt helfe, dann möchte ich eins klarstellen. Ich will weder das Andenken an deine Mutter stören, noch möchte ich dich oder deine Schwester bevormunden. Ich möchte, wenn es geht, eure Freundin sein und euch helfen wenn ihr Sorgen habt. Ich glaube, dass euer Vater dringend eine Hilfe hier im Haus braucht, ob ich es nun werde oder jemand anderes liegt ausschließlich an euch, denn euer Vater wird nur jemanden einstellen, den auch ihr akzeptiert.“ Rosi drehte sich um, ohne eine Antwort abzuwarten und schritt zurück zur Küchentür. Gerade wollte sie die Tür aufdrücken, da hörte sie leise hinter sich von der Treppe: „Dein Kuchen hat sehr gut geschmeckt!“
Als Rosi sich umdrehte war Hannes verschwunden. Aber ihr viel ein Stein vom Herzen. Mit einem Lächeln kehrte sie zurück, in die Küche.
„Sie haben mit meinem Sohn gesprochen, was hat er gesagt?“
Rosi lächelte immer noch. „Mein Kuchen hat ihm geschmeckt!“
„Oh, das ist ein gutes Zeichen!“, sagte sein Vater erleichtert zu Rosi. Die sich wieder an den Tisch gesetzt hatte.
„Was halten sie von einem Rundgang durch das Haus, denn wenn sie sich für uns entscheiden, sollten sie schon wissen was auf sie zukommt.“
Das Haus war riesig, aber in allen Räumen konnte Rosi die weibliche Hand erkennen. Die kleine Einzimmerwohnung, die für sie gedacht war, bestand aus einem sehr geräumigen Zimmer nebst Bad und kleiner Kochnische. Allerding vollständig eingerichtet und für ihre wenigen Möbel gab es kaum Platz.
schreibt Fritz850