Rote Fingernägel, Lippen, Pumps oder Heels. Muss man mehr schreiben, um eine gewisse Wirkung zu erzielen? Keine andere Farbe bewirkt mehr in uns als diese. Sie ist ein Leuchtfeuer, reizt uns, ist zugleich eine Warnung, kann Gefahr bedeuten, manchmal beides zugleich.
Mir war das noch nicht klar, als ich Mara kennenlernte, oder besser gesagt, das erste Mal sah. Alles an ihr schien die reinste Erotik zu sein, und sie hatte die Angewohnheit, es auch entsprechend zu präsentieren.
Mara war eine junge Frau von Welt, wusste, was sie wollte und das kompromisslos. Wer in ihre Fänge geriet, wurde wenig später als kläglicher Haufen Müll wieder ausgeworfen, fühlte sich wie ein verdautes Stück irgendwas, was in der Schüssel landete und heruntergespült wurde.
Was Mara am Leben hielt, war Geld. Nichts anders interessierte sie und bei ihr war es nur eine Frage der Bezahlung, damit aus einem Nein ein Ja wurde. Der Geruch des Geldes ließ sie dahinschmelzen, und wenn es nicht offensichtlich war, dann konnte sie es wittern wie ein Bluthund.
Ich war mir sicher, dass sie einen Millionär am Geruch erkannte, selbst wenn er zuvor einen alten, zerrissenen Blaumann angezogen und damit in Jauche gebadet hatte. Sie konnte das Aroma von Erfolg und Reichtum riechen. Entsprechend richtete sie ihre Nase aus, war stetig dabei die saftigste Frucht, die süßeste Blume, in ihrem Dunstkreis zu erkennen.
Mir erging es ähnlich, konnte mich ihrer Faszination nicht entziehen. Dabei war sie nicht einmal eine klassische Schönheit in dem Sinne. Es war vor allem ihre Art, die einen glauben ließ, dass sie etwas besonders war, eine Frau, die es sonst kein zweites Mal auf der Erde gab. Sie zu haben, ihre Aufmerksamkeit zu erringen, war wie der höchste Preis, die Goldmedaille, die man erringen konnte. Entsprechend schwer war es, an Mara heranzukommen. Wer nichts hatte, war chancenlos, selbst als Spielzeug taugte er nicht.
Rot
Vier Farben
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