Das Rote Kerbchen

Rotkerbchens Abenteuer - Teil 1

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Das Rote Kerbchen

Das Rote Kerbchen

Peter Hu

„Schließlich waren natürliche Triebe ja schlimme Sünden, die ausgetrieben gehörten.“

Seither trug Rotkerbchen seinen recht exzentrischen Namen. Denn die selige Mama hatte sie eigentlich einst auf den Namen Evangeline getauft.

Doch was die böse Großmutter nicht ahnen konnte:

Die Feen des Waldes hielten ihre schützende Hand über das Mädchen. Und da auch die Brennnessel ein Wesen der Natur ist, ließ sie sich nicht von der bösen Großmutter dazu missbrauchen, Rotkerbchens Freuden zu zerstören.

Zwar hatte sie Evangelins Kerbchen recht scharf gezwickt (sie hat auch recht herzerweichend gequiekt, das könnt ihr mir glauben), Doch dieser erste Schock bewirkte am Ende nur das Gegenteil. Denn seither war Rotkerbchen so empfindlich an jener Stelle, dass schon ein leiser Windhauch genügte, ihre verführerischen Säfte heraufzubeschwören. Und dabei verströmte sie einen solch lieblichen Duft, dass die Burschen des Dorfes, wie liebeskranke Wölfe, gleich rudelweise unter ihrem vergitterten Fenster heulten.

Einzig zur harten Feldarbeit, durfte die Ärmste jetzt noch das Kämmerlein verlassen. Und selbstverständlich gab es auch zum Kirchgang frei, den sie unter den strengen Augen der garstigen Großmutter zu absolvieren hatte.

Doch Rotkerbchen wäre lieber zuhause geblieben. Denn der Pfaffe seiberte nur das ewige alte Lied von Schuld und Verdammnis. Unsere Heldin betete aber lieber zum Geist der seligen Mama, und zu einigen verbotenen Naturgöttern. Denn was konnte das nur für ein grausamer Götze sein, der da die leibliche Lust so krankhaft vergällte? Welcher Schöpfer, der seine sieben Sinne beisammen hatte, konnte schon ein Leben in freudloser Demut fordern?

Rotkerbchen hatte also nichts zu beichten. Denn nach ihrem unschuldigen Verständnis, tat sie niemals etwas böses. Sie hatte noch nie gestohlen, und weder Mensch noch Tier etwas zuleide getan. Was war schon dabei, dass sie ihre kitzelnde Feige ab und an etwas entspannte?

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