Die Geschichte ist überall nachzulesen, ...aber lange verjährt. Nun gut, ich muss zugeben, wir Wölfe sind keine frommen Lämmer. Wenn wir ein Stück hübsches Fleisch sehen, läuft uns das Wasser im Munde zusammen. Und wir sind schon geneigt, es ein wenig zu knabbern und zu schmecken. Aber das ist ja schließlich unser Beruf.“
„Was wäre die Welt auch schließlich für ein langweiliger Ort, gäbe es da nicht den feinen Prickel des Risikos? Würdest du schließlich so freudig durch den Wald spazieren, ohne die geringste Changse, dass hinter irgendeinem Baum ein böser Wolf sitzt? Sicher nicht. Denn ich kenne dich. Du bist schließlich die, die mit dem Wolf vö... Und hat es dir etwa geschadet?“
Rotkerbchen schüttelte nur verträumt den Kopf und spielte mit ihren aufgerichteten Nippelchen, während sie gespannt lauschte...
...Der böse Wolf war also mal wieder auf dem Weg zu seinem Bewährungshelfer, wo er sich wegen anderer fleischlicher Vergehen, die nichts mit den sieben Geillein zu tun hatten, einmal im Jahr melden musste. Denn im Märchenwald waren die Bewährungsauflagen recht locker. Das war schon daran zu erkennen, dass der Räuber Hotzenklops noch immer auf freiem Fuß war. Doch auch im Märchenwald gab es Grenzen.
So hatte man zum Beispiel kürzlich einen Drachen verhaftet, welcher der Einäscherung mehrerer Ritter überführt wurde. Der Mitangeklagte, so ein zwielichtiger Zauberer, entzog sich der Verhaftung nur durch feige Taschenspielertricks. Man hatte dem öligen Kerl die Handschellen schon angelegt, da löste er sich plötzlich regelwidrig in übelriechende Luft auf.
Den Drachen, es trifft ja immer nur die kleinen Fische, verurteilte man schließlich wegen seiner geminderten Schuldfähigkeit, zu siebenhundertdreiundvierzig Jahren Gehegehaft im Schwuppertaler Zoo.
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