Vielleicht empfing er nur im Unterbewusstsein die leisen Lockungen, die er mit seinem Atem einsog, die stummen Rufe, die Duftstoffe, die eine Frau aussendet, die Pheromone, die zwei Menschen zusammenführen und die einfach vorhanden sein müssen, damit die Chemie stimmt, wie man so sagt. Diese Frage nach der Chemie stellte er sich, als er die Duftmischung in sich aufnahm, die Ana verströmte. Es war wie ein Nebel, der ihn in einem Zwischenreich des Wissens und des Unbewussten umfing und einhüllte. Er fragte sich, ob die Chemie für beide tatsächlich stimmen würde, ob man das nach so kurzer Zeit schon sagen könne oder ob sich da nicht eine Falle auftat, in die er gerade hineinstolperte, wie ein blinder Auerhahn im Liebeswahn. Eine Pheromonfalle, die Dutzende, ja Hunderte von Eichenspannern oder Birkenspinnern verwirrt, anzieht, festhält, aushungern lässt, sterben lässt. Einerseits war er durchaus bereit, sich mit Freuden den versteckten Lockungen Anas und ihren stummen Rufen hinzugeben, die ihn betörten und geradezu magnetisch anzogen. Andererseits war er sich völlig unschlüssig, wie weit er gehen könnte und wollte, denn, wie gesagt, er war schlicht und einfach verklemmt und hatte keine Ahnung, wohin ihn der Weg führen würde, wenn er weiter auf ihm wandelte und zudem hielt ihn eine gewisse Furcht ab, die er auch in seinem Alter immer noch verspürte, wenn es intim werden sollte.
Ana dagegen war nicht verklemmt und fürchtete sich anscheinend überhaupt nicht. Sie suchte nach mehr Körperkontakt. Sie drückte sich während der minimalen Tanzbewegungen immer stärker an ihn. Oben geriet seine Nase noch tiefer in die Tabac-Haare, sein Mund war schon völlig ausgetrocknet und er atmete heftiger, als es das Tempo des Tanzes allein rechtfertigte. Etwas tiefer rieb sich ihr fester Busen im Takt ihres Atems und der Tanzschritte an seiner Brust, ein höchst angenehmer Druck.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.