Er kannte sie doch gar nicht, diese Ana. Ein Abend in einer Bar, reicht das, um sich zu verlieben? Sicher reicht das, aber war er nun verliebt oder nur geil? Er grübelte und kam zu dem Schluss, erst einmal lieber auf Distanz zu bleiben. Cool bleiben, die Lage unter Kontrolle halten, ja das war besser. Lieber nicht anmerken lassen, dass er dabei war, sich von dieser Ana gefangen nehmen zu lassen. Lieber die Gefühle und auch seine physische Erregung vor ihr verbergen. Lieber weiter den Stockfisch spielen. Das war vernünftiger, dann gab es keine Enttäuschung am nächsten Tag, wenn ohnehin das Techtelmechtel und die Beziehung zu Ende sein würde. Vernunft in allen Lebenslagen, das war doch immer seine Stärke. Andererseits, er sinnierte immer noch, statt endlich zu handeln, warum sollte man vernünftig sein? Warum diese Situation nicht ausnützen, die Gelegenheit ergreifen, auskosten, was sich ihm da so bot? Die will doch, diese Ana. Warum sollte er ihr nicht geben, was sie will. Warum sollte sie seine Erregung eigentlich nicht spüren? Warum sollte er nicht jetzt und hier in der Bar das tun, was diese Ana ganz offensichtlich wollte? Sie einfach flachlegen. Sie nehmen. Sie begatten. Ficken. Hier auf dem Parkett, why not? Dann übernimmt wieder die Vernunft in seinem Hirn das Kommando. So ein Quatsch, was denkst du nur! Er merkte zwar immer deutlicher, wie auch er nach ihr verlangte, nach dieser seltsamen, ausgehungerten Frau. Aber noch war seine Verklemmung stärker, seine Angst vor der Unbekannten war größer als sein Verlangen und diese verdammte, rationale, allen Spaß abtötende Vernunft hatte ihn wieder voll im Griff. Doch eines stellte er verwundert fest, dass ihm zum ersten Mal seit langer Zeit, Tanzen richtig Spaß machte.
Es war eine schizophrene Situation. Sie wollte, er wollte und trotzdem, nachdem er kurz schwach zu werden drohte, ging er wieder auf Abstand, anstatt sie weiter zu bedrängen, löste er sich von ihr, wenn auch nur ein wenig.
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