Vielleicht hatte diese Begebenheit sie irritiert oder möglicherweise auf eine Idee gebracht, denn statt mit der Antoniogeschichte zu beginnen, löste sie sich von seiner Seite auf dem schmalen Sofa und ging schnellen Schritts zu der Stereoanlage, die in dem Wandregal hinter der Theke eingebaut war. Während sie in einem Stapel CDs eine bestimmte suchte, meinte sie, dass Antonio noch warten könne, er würde ja nicht weglaufen, der echte nicht, der sich jetzt gerade bestimmt voller Unruhe in seinem schmalen Bett wälzen würde und auch die Geschichte nicht. Sie hatte die richtige CD gefunden und schob sie in den Schlitz des Recorders. Musik füllte den Raum. Peter Maffay ging über sieben Brücken, dann fragte Roland Kaiser wie lang er noch widerstehen könne, bevor er manchmal den unerlaubten Weg zu Ende ging. “Wie du merkst, haben wir nicht nur antike Musiktruhen und Wagnerplatten. Die da oben ist einfach eine Masche meines Onkels, reine Nostalgie. Er hängt an dem Monstrum. Sie erinnert ihn an die besten Zeiten seines Lebens, an die Anfänge des Hotels, die Blütenträume, die alle in Erfüllung zu gehen schienen. Forget it! Was hältst du von einem Tänzchen? Dann kann ich den ganzen Mist, der gerade so auf mich zukommt, besser vergessen. Um es gleich zu sagen, diese Musik ist nicht unbedingt mein Fall, zu viel seichte Schlager, banale Barmusik, aber zum Träumen und zum Vergessen ganz gut. Mit Musik ist es wie mit dem Lesen. Beide kosten Zeit, wenn man etwas davon haben will. Man muss sich konzentrieren und man sollte diese kostbare Zeit nicht mit Mist verplempern, dafür hat man zu wenig davon im Leben, von der Zeit, nicht vom Mist. Aber was quatsche ich dich so philosophisch an, manchmal will man eben Mist, manchmal ist ein bonbonbuntes, eckelig süßes Softeis besser als teurer, salziger Kaviar. Komm wir tanzen und träumen bei Popscheiße und Schmachtfetzen.
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